Open Cultures
Freiheit
oder Freibier
im Spiegel von Softwarezugang und
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childhoodproject by
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show
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Shahla Aghapour
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The ArtWeeks are held in six countries
of the world and in seven cities!
http://artweeks.eu/
1.
Ukrainian Art Week: www.artweek.org (Kiev, April 2-8, 2010)
2.
Belarus Art Week: www.artweek.by (Minsk,
April 6-11, 2010)
3.
Kazakhstanian Art Week: www.artweek.kz (Almaty,
April 15-22, 2010)
4.
Russian Art Week: www.artweek.ru (Moscow, April 19-25, 2010)
5.
Slovakian Art Week: www.artweek.sk (Bratislava, Juny 14-20, 2010)
St.Petersburg's Art Week: www.spbartweek.com
(St.Petersburg, July 5-11, 2010)
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Neu von Lutz Wohlrab Dez. 2009
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The Second Biennale International of Small Art; • Venezuela, by Mail artists
Annijames Rivero and Luis Valera
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to all. No jury. Catalogue to all. No return., Size: Maximum Postcard, size (10x15 cm.), Technique: Free. Deadline:: December 31,
2009.
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II
Bienal Internacional del Pequeno Formate,
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ZonaP. 2101A.
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VENEZUELA.
Israel News from 23. Jan.
2009, http://www.israelheute.com/
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Dr. Martin Luther King, Jr. exhibition by Kim Kirk,
> DEADLINE: December 31, 2002
What about Germany? 1993
Eine Untersuchung der gegenwärtigen Parteienstruktur, ©Friedhelm Schulz 1993
Siehe auch:
http://www.friedhelm-schulz.de, andere
Themen, andere Seiten
* Wiedervereinigung durch Veränderungen und Veränderungen durch die
Wiedervereinigung.
* "Individualität & Gemeinsamkeiten" als gemeinsame christliche
Kultur oder als die Zentrifugalkräfte.
* Rechtsruck und Ende der "linken" Aufklärung?
* Was bedeutet "Links" und "Rechts".
* Gibt es eine "rechte" Aufklärung?
Hier sind global gesehen zwei recht einleuchtende Geschehen zu betrachten,
die miteinander, wie zwei zeitlich versetzt ins Wasser geworfene Steine
unterschiedliche Bewegungen oder Wellen erzeugen, und die dann eine etwas
kompliziert erscheinende Struktur ergeben, die manchen beunruhigen und
deswegen leicht zur Desorientierung und zu voreiligen Schlüssen und
Überreaktionen verführen können - wodurch sich Dissonanzen und
Desorientierung nur verstärken, - wenn man sie nicht auch mal in der
ursprünglichen Einfachheit sieht.
Dieses zeigt sich exemplarisch an und gegenüber den beiden aktuellen
Diskussionsthemen, Jugoslawienkrieg und Rechts- bzw. Linksradikalismus.
Erschreckend und bedenklich ist zum ersten., wie man bei Deutschen, wo man
mit ihnen darüber diskutiert, eher auf unterschiedliche Loyalitäten als auf
durchdachte Überzeugungen stößt. Man hält zu seinem Freundeskreis oder zu
seiner Partei.
Erschreckend ist ferner, und damit zeigt sich das Hauptdilemma besonders der
einst etablierten "Linken" besonders im ehemaligen Osten, daß
überhaupt nicht mehr klar ist, um was es bei dem - Gott-sei-Dank! -
überwundenen Ost-West-Konflikt, bei dem größten Machtspiel der menschlichen
Geschichte, der die Welt an den Rand des Abgrunds brachte, überhaupt ging.
War es:
Recht gegen Unrecht.
Arm gegen Reich.
Arbeiter gegen das Kapital.
Christliche Tradition gegen aufgeklärten Humanismus.
Wissenschaft gegen Religion
Bildung gegen Unwissenheit
Demokratie gegen Diktatur.
Gleichheit der Menschen gegen Privilegien von Menschen.
Slawen gegen Europäer.
Sozialismus gegen Kapitalismus.
Freiheit gegen Unterdrückung.
Fortschritt gegen Stagnation.
Mensch gegen Staat.
Staat gegen Mensch.
Wahrheit gegen Lüge.
Gut gegen Böse.
?
Lassen sich diese Attribute noch mit Recht in einen Kampf "Rechts"
gegen "Links" oder umgekehrt einordnen?
Beide Seiten beanspruchten natürlich die jeweils positiven Attribute für sich
und warfen meist das negative Gegenteil der anderen Seite vor, wie es eben
bei einer Schimpferei zugeht.
Dieses waren einst aber eben nicht nur fromme Sprüche ohne Grund und echtes
Anliegen. Und leider war doch auf beiden Seiten, - besonders klar zu erkennen,
wenn man auf den Beginn dieses Streites zurücksieht, - das Böse des jeweils
anderen auch die Rechtfertigung fürs eigene Böse, und das Gute des Anderen
zugleich die Bedrohung durch den Anderen. Man empfand oder diffamierte also
das gute oder das berechtigte Anliegen des jeweils anderen als böse, weil es
einen selbst in Frage stellte.
Entwicklung der Menschheit durch und trotz Staat.
Unbestreitbar ist, daß sich das Rechtsbewußtsein der Menschheit in diesem
Jahrhundert, und man kann ruhig sagen, ohne deswegen schon Kommunist zu sein,
daß sich seit 1917, seit der russischen Revolution und ganz ohne Zweifel
durch sie, das Rechtsbewußtsein der Menschheit so verändert hat, wie es sich
damals selbst der junge und noch idealistische Lenin nicht hätte vorstellen
können. Ich will damit keine einzige Bosheit, Erschießung, Vertreibung und
menschliche Vergewaltigung durch den frühen oder späteren Kommunismus im
Osten oder den brutalen Frühkapitalismus und Kolonialismus im Westen
bestreiten oder rechtfertigen.
Wir sollten nicht vergessen, daß noch 1917 die Industrienationen alle ganz
ungeniert und ohne nach irgendwelchen Menschenrechten zu fragen, mit der
übrigen Welt genau das taten, was sie dem Hitler als seine Hauptbosheit und
Schuld ankreideten, sich nämlich einfach als Stärkerer das zu nehmen, was der
Schwächere nicht verteidigen konnte; und daß man selbst nach dem letzten
Krieg noch- auch im Westen wie in Indonesien, Griechenland oder Afrika - 20
000 Menschen "einfach so zur Einschüchterung" an einem Tag erschießen
lassen konnte, ohne daß sich die "zivilisierte", europäische Presse
darüber aufgeregt hätte, und es ist kein Zufall, daß erst genau zu dem
Zeitpunkt der kalte Krieg beendet wurde, die Mauer brach und die Einheit
Deutschlands, Europas und der Welt unter einem neuen ethischen Denken möglich
wurde, als die letzte Kolonie in Afrika ihre Freiheit zurück bekam,. Und man
kann ohne Abstrich und Scham vertreten, daß die "Linke", wo immer
sie sich weltanschaulich und ethisch als Anwalt für die Menschenrechte und
die Gerechtigkeit überhaupt verstand, von einem Sieg oder einem Erfolg
sprechen kann, wie er zu Anfang des Jahrhunderts einem Realisten kaum denkbar
scheinen mußte.
Der Staat als Problem.
Daß dabei der Sozialismus als Staatsform scheiterte und zu einem
unmenschlichen Monster verkam, läßt sich andererseits nicht bestreiten und
liegt sicher auch daran, daß Staat als solcher aus irgendwie naheliegenden
aber konkret noch unerforschten Gründen alles das, was er macht, ganz
besonders träge, schwerfällig, mechanisch, automatisch, blind,
reformfeindlich, korrupt und phantasielos macht, - im Westen nicht anders als
sonstwo, - nur daß im Osten eben alles Staat und damit alles schlimmer war
und im Westen private Industrie, private Initiative, Parteienlandschaft und
Presse, und was eben zur Demokratrie gehört, mehr Flexibilität und
Achtsamkeit erzwangen und der Staat sich weniger ausbreiten und diesen
Fortschritt weniger verhindern konnte.
Das deutlichste Beispiel auch an westlicher Stagnation ist unser anachronistisches
Schulsystem, wo der Staat unangefochtener Souverän ist, in dem der Mensch um
die schönste Zeit seines Lebens betrogen wird, wo er nach sechs Jahren!
Englisch- oder Lateinunterricht weder Englisch noch Latein spricht und nach
10 Jahren! Deutschunterricht kein Deutsch kann, (was ohne Schule ein
zweijähriges Kind in wenigen Monaten besser lernt), ein Versagen, das
natürlich und naturgemäß nicht der Schule und dem Staat sondern dem Schüler
und dem Lehrer angekreidet wird. Darum geht es mir jetzt jedoch noch nicht
und sei jetzt nur als Beispiel angeführt.
Daß in Westeuropa weniger Staat und mehr Privatinitiative die eigentliche
Qualifizierung vornimmt, weil Staat insgesamt weniger Allmacht hat, und daß
auch in allen anderen Angelegenheiten der westdeutsche Staat einerseits von
der amerikanischen Supermacht und durch die allgegenwärtige
"drohende" Moral und Gefahr aus dem Osten zur Vernunft gezwungen
wurde, und daß andererseits der Staat aus diesem gleichen Grunde die private
Willkür der Industrie in Grenzen hielt, wie es vor dem Weltkrieg gar nicht
denkbar war, um der sozialistischen Ideologie die Hauptargumente zu nehmen,
ist eine glückliche Ursache für den anziehenden, wenn auch zarten Glanz und
Wohlstand Westeuropas gewesen, der in den letzten beiden Jahrzehnten
besonders nach der Aufgabe der letzten Kolonien als mögliches Modell für die
konföderative Eintracht aller Völker demonstriert und glaubhaft wurde.
Man kann mit einigem Recht sagen, daß derart der sozialistische Gedanke im
gegnerischen Lager mehr Positives bewirkte oder provozierte, als innerhalb
der eigenen Grenzen, - obwohl man aber natürlich und gerechter Weise eben
nicht übersehen darf, daß sich in den vergangenen 50 Jahren die Welt und die
internationale Moral nicht nur im Westen grundlegend verändert hat, sondern
auch im Osten, wo vor 1917 die Menschen - und das war mehr als die Hälfte der
Menschheit - zu mehr als 90% Analphabeten und weder schulisch, medizinisch,
juristisch und sozial betreut noch von der europäischen Überheblichkeit als gleichberechtigte
Menschen akzeptiert waren, - selbst Kroaten und Griechen galten fast als
Halbwilde.
Man sollte sich nicht scheuen, dieses letztere als Wahrheit zu akzeptieren,
denn dieses wird sehr bald schon die allgemeine Argumentation für mehr Staat sein,
(denn die Opfer des Stalinismus schweigen,) noch ehe die neue Linke mit
solchen Argumenten auch nur einen Gedanken darauf verwendet, wieso mehr Staat
allgemein und insbesondere im ehemaligen sozialistischen Osten den
Fortschritt eher behinderte. Denn andererseits ist es eine schwer
verständliche aber ebenfalls unbestreitbare Tatsache, daß man dort im
"Sozialismus", statt Schule, Forschung, Arbeitsverhältnisse,
Wohnungsbau, Verkehr, Technik u.s.w. besser zu machen, als im
"rückschrittlichen" kapitalistischen Westen, wozu ja 70 Jahre lang
Zeit, Gelegenheit und Macht vorhanden war, der allmächtige Staat dort bei
Vorstellungen aus dem vergangenen Jahrhundert stehen blieb und Reformen und
Innovationen nur widerwillig akzeptierte, halbherzig und in der Qualität
nachhinkend und zögernd immer erst dann zugestand, wenn der Erfolg solcher
Veränderungen, die sich Westen längst vollzogen hatten, vor der eigenen
Bevölkerung nicht mehr zu verheimlichen und nicht mehr zu verhindern waren.
So ist auch die zage, wenn auch unbestreitbare Entwicklung im Osten,
ebenfalls mehr von dem feindlichen Antipoden erzwungen als von eigener
Einsicht geleistet worden.
So sind die gewaltigen positiven Veränderungen der Menschheit in unserem
Jahrhundert sowohl in Ost wie im Westen weniger auf die vernünftigen und
weisen Einsichten der Politiker zurückzuführen, als auf die eher anonymen
Kräfte dieser ideologischen Spaltung der Welt.
Die neue Situation.
Diese Konstellation hat sich verändert. Und wer wäre nicht froh, daß das
Wettrüsten und die Feindschaft zweier Welthälften ein Ende hat. Mit
christlichem Ansatz sollten wir nun nicht das Böse aufrechnen, sondern dem
Guten nachjagen, wie es Paulus empfiehlt und das Scheitern der einen Seite
nicht einfach dem atheistischen Grundansatz der marxistischen Ideologie
zuschreiben. Vergessen wir nicht, daß Weltverbesserer wie Thomas Münzer, auch
im Namen Christi unendlich grausam vorgingen und scheiterten, sondern wir
müssen den Verstand mit neuer Vernunft benutzen, um die Gegenwartsprobleme zu
verstehen.
Diese Konfrontation und Feindschaft brachte nun nicht nur die Teilung der
Welt, sondern unfreiwillig und auf beiden Seiten unter den grausamsten und
blutigsten Umständen des letzten Weltkrieges und der Nachkriegszeit auch eine
Einigung der jeweiligen Teile mit sich, die nun in der heutigen
Wiedervereinigung zentrifugalen, nationalistischen, separatistischen meist
"rechten" Kräften ausgesetzt sind, deren Ursprung und Wesen wir als
"Links" und "Rechts" nun genauer und in zeitgemäßer
Weise, eben ohne jene Zwangsjacke der Ost-West-Feind-schaft neu definieren
müssen.
Wenn wir nicht in die Barbarei von 1914 zurückfallen wollen, sondern die
Vernunft zu sichern versuchen, müssen wir möglichst realistisch und
selbstkritisch die "linken" und "rechten" Kräfte in einer
moderneren Sicht sehen, die beide in einer Demokratie nebeneinander und zwar
ohne Totfeindschaft möglich sind, wie es sich in den westlichen Demokratien
erwiesen hat, und also auch in Zukunft möglich sein müssen, und auch
notwendig und berechtigt sind.
Beide Seiten haben ihr mehr oder weniger deutliches Ideal und Ziel, und beide
Seiten haben ihre Schwäche, wobei jeweils Schwäche und Ideal sich bedingen.
Im Folgenden werde ich versuchen, die Correlation von "Links" und
"Rechts" und die jeweilige Correlation von Ideal und Schwäche zu
verdeutlichen. Im Rahmen eines kleinen Aufsatzes ist dieses nur mit einer
nicht unproblematischen Vereinfachung oder Skizze möglich.
Besonders den philosophischen, soziologischen und psychologischen Aspekt der
unterschiedlichen Positionen und ihrer Schwächen, die oft nur im Vergleich
zueinander deutlich gemacht werden können, muß ich sehr vereinfachen.
Hinter den Parteien, die man durchaus als Interessenverbände mit
unterschiedlichen konkreten Anliegen sehen muß, stehen aber auch
unterschiedliche weltanschauliche Tendenzen. Es sind unterschiedliche
mögliche Sichtweisen, mit denen man sowohl einen Gegenstand, wie den Menschen
und seine Handlung und Geschichte wie auch die optimale Zukunft des Menschen
sehen kann, wobei man sowohl von unterschiedlichen Eigenschaften des Objekts,
wie von möglichen unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten durch das
Subjekt sprechen kann.
"Links" und "Rechts" werden im Folgenden von mir derart
als zwei unterschiedliche Wahrheits- und Rechtskriterien auf den einfachen
oder vereinfachten Nenner gebracht, daß die "Linke" mehr die
aufgeklärte, objektive, berechenbare und beweisbare Richtigkeit und
Gerechtigkeit meint und betont, als etwas, das notwendiger Weise stimmt,
während die "Rechte" mehr die freie Entscheidung im gültigen Urteil
des Menschen meint, die zwar falsch oder richtig, gut oder böse sein kann,
die aber durch den Menschen nach logischen wie ethischen Kriterien
verantwortet werden muß.
Der Unterschied von "Links" und "Rechts" liegt dabei
nicht darin, daß eine Seite die Kriterien der anderen nicht hat und selbst
anwendet oder gar als Berechtigung verneint, weil beide Arten zu denken zum
Wesen des Menschen gehören, sondern allein in der Betonung, wobei die
Betonung einer jeden Seite dann zur Gefahr und zum Bösen entarten kann, wenn
sie sich zum alleinigen Wahrheits- und Rechtskriterium erhebt, wenn z.B. also
Richtigkeit gegen die freie Entscheidungsmöglichkeit, - also als typisch
"linke" Entgleisung - oder die freie Entscheidungsmöglichkeit gegen
Recht und Richtigkeit, - als typisch "rechte" Entartung - gestellt
wird.
Die Schwäche meiner Vereinfachung, (weswegen man diese Formel auch nicht als
Parole, Schimpfwort oder Maßleisten nehmen soll,) und damit auch die
Möglichkeit der knappen und verständlichen Definition, zeigt sich besonders
darin, daß ich nicht von unterschiedlichen Ideologien, Weltanschauungen und
Wahrheiten spreche, sondern nur von der Betonung unterschiedlicher Kriterien;
denn man kann jeder menschlichen Tat oder Untat beide Kriterien zugrunde
legen, sie bilden keinen Widerspruch und schließen sich nicht aus, was ich im
Folgenden mit Hilfe der klassischen Philosophie und mit plausiblen einfachen
Argumenten beweisen und möglichst deutlich machen will.
Mehr Staat in der Zukunft.
Macht und Allmacht des Staates wird sich in nächster Zukunft im Osten zwar
relativ zu vorherigen Verhältnissen vermindern, insgesamt und auf lange Sicht
aber ausweiten, und zwar insbesondere und zuerst im reichen Westen. Es stehen
Probleme ins Haus, die nur mit mehr Staat zu bewältigen sind: Wir haben zum
ersten das anstehende Problem der Bevölkerungszunahme in aller Welt ganz real
zu bedenken, dazu kommt technischer Fortschritt bei der Produktion,
internationale Handelsstrukturen einerseits und die verursachten
Umweltschäden andererseits und in absehbarer Zukunft auch billigere Energie,
wobei nach der Konzeption augenblicklicher Gesellschaftsstruktur weitere
Arbeitslosigkeit entsteht, weil Maschinen die Arbeit tun, einer Problematik,
die man nicht mehr nur als solche des eigenen Landes sehen darf. Man
produziert Arbeitslosigkeit und Umweltschäden bereits heute auch in anderen
Ländern und Weltteilen. Dieses kann nur mit Hilfe und zunehmender
Einflußnahme des Staates kompensiert oder gerecht geregelt werden.
Man muß zusätzlich den Reichtum der Reichen gegen die Begehrlichkeit der
inzwischen schulisch gebildeten Armen verteidigen, - und dieses ebenfalls
nicht nur in den reichen Ländern, und nicht nur im Verhältnis der reichen zu
den armen Ländern, sondern weltweit auch und ganz besonders in den armen
Ländern selbst.
Wenn derart Ursache und Wirkung landübergreifend sind, kann man eben nicht
einfach reiche gegen arme Länder, also erst recht nicht Verursacher gegen
Betroffene abschotten. Solche Probleme kann aber eben nur der Staat lösen,
und sie geben ihm damit mehr Kompetenz, was dann unvermeidlich auch heißt,
daß sich mit der zunehmenden Staatsmacht zugleich auch die notwendigen,
vernünftigen Reformen entsprechend verzögern werden, wie es die leidige
Asyldebatte in Deutschland blendend demonstriert.
Hier fordern also in ganz neuer Sicht der Weltgeschichte einmal die Fakten
selbst und mit ihnen als Argument sowohl die "Rechten" wie die
"Linken" gemeinsam in beunruhigender Weise mehr Staat.
Um Übereifer von Staatsschützern und -Verteidigern auf der einen Seite und
allzu platte Schlußfolgerungen der Gegenseite also Gegnern jetziger oder
jeglicher Staatsform, also den Faktoren der Zentrifugalkräfte zuvorzukommen,
sei folgendes vorweggenommen:
Vorstehendes kann, wenn man es kritisch sieht, auf keinen Fall heißen, daß
man diese Entwicklung verhindern oder etwa, daß man den Staat abschaffen oder
stutzen sollte oder könnte.
Grundlagenforschung sowie eine neue und deutlichere Definition von
"Links" und "Rechts" und zwar als miteinander zu
vereinbarende, wenn auch zueinander oppositionelle Kräfte ist notwendig.
Dieses soll nicht heißen, daß sich die etablierten und staatstragenden
"linken" und "rechten" Parteien, - und zwar in allen
europäischen Ländern gleichermaßen, - neue Ziele setzen müßten, sondern es
geht für beide Seiten darum, die jeweils eigentliche tiefere Dimension von
"Rechts" und "Links" deutlich zu machen, die sich eben
nicht in den vordergründigen undurchdachten Sprüchen der radikalen Randgruppen
zeigt, die meist ihre Parolen und Attribute aus der Vergangenheit beziehen.
Man sollte natürlich zuerst überlegen, wieso Staat an sich eine lahme Ente
ist, wieso z.B. die Schule schlecht ist und nicht reformiert wird und wieso
z.B. die staatliche Genehmigung für den Bau eines Hauses inzwischen länger
dauert, als die Planung, der Entwurf und die Fertigstellung des ganzen Hauses
zusammen, während Hunderttausende verzweifelt auf eine Wohnung warten. Und
hier könnte man endlos mit Beispielen fortfahren. Denn solches wird sich
verschlimmern, wie man in Berlin beobachten kann, wo z.B. die Genehmigung für
die Beseitigung einer hindernden Bordsteinkante 3 Jahre dauert. Um die
Ursache herauszufinden, geht es mir jetzt nicht; ich glaube, man würde dazu
einige Milliarden Dollar Forschungsgelder benötigen, die man aber letztlich,
falls die Ursache als behebbar erkannt würde, sehr schnell wieder einsparen
könnte. Man bedenke, daß z.B. jene lahme Genehmigung zur Beseitigung eines
Bordsteines ja nicht nur die schnelle Ausführung der Arbeit verhindert und
damit ein Problem lange aufrecht erhält und Schäden und Kosten verursacht,
sondern daß dieser Vorgang ganz sicher in den drei Jahren unnötig Personal
bindet und dem Steuerzahler das Hundertfache von dem kostet, was nötig wäre.
Das Problematischste des Problems ist wohl, daß es als solches, eben als
hochkomplexes Problem nicht erkannt ist, und ich wäre gänzlich mißverstanden,
wenn sich Kritik oder Haßgefühle nun gegen eine/n bestimmte/n Bauminister/in
oder Bausenator/in richtete. Man wird im Gegenteil dem Verantwortlichen
besonders dann Unregelmäßigkeiten und auch Korruption vorwerfen, wenn er sich
über den normalen Ablauf der Staatsmaschinerie hinwegsetzt, um einen Vorgang
zu beschleunigen.
Das Problem aber der zunehmenden Staatskompetenz löst sich keinesfalls in
solchem einfachen naiven Schemadenken alter Märchen wie Feind-Freund,
Gut-Böse, Falsch-Richtig und zwar derart, daß man z.B. die Mächtigen einfach
entmachtet, die Reichen einfach enteignen, technischen Fortschritt und
billigere Energie verhindern könnte und sollte, um solche Entwicklung zu
verhindern, wie es viele Schlagworte fordern. Dieses bedeutete letztlich noch
schlimmeres Chaos, noch schlimmere Bevormundung und Armut für alle, nämlich
eine Entwertung von Leistung und Lohn, die sich erfahrungsgemäß dann nicht
nur auf die Kaufkraft des Zahlmediums Geld, sondern auch - trotz aller
Leistungsparolen und Aufrufe - auf die Arbeitskraft bezöge, die in gleicher
Weise ihren Wert verlöre, was als Problem der sozialistischen Wirtschaft bis
heute noch gar nicht recht reflektiert wurde.
Es geht auch nicht mit Argumenten, als ob Politiker und Beamte ganz besonders
dumm seien und nur einfach durch bessere ersetzt werden müßten, wie man
gelegentlich hört. Eine IQ-Überprüfung würde das Gegenteil beweisen. Hohe
Intelligenz im Regierungs- und Verwaltungsbetrieb verhindert im Gegenteil
ganz sicher viel Schlimmeres, das sich sehr gut vorstellen läßt. Die Menschen
und Apparatschiks im Osten hatten keine niedere Intelligenz. Ebenso stimmt
das platte Argument nicht, als ob Staatsbeamte als Privatpersonen ganz
besonders verkommen und korrupt seien und daß nur solche in den Staatsdienst
gelangten. Obwohl es dort, wie in allen Kreisen natürlich auch Dummheit und
Korruptheit gibt, hat realiter ein Politiker in der Regel im Rampenlicht der
Öffentlichkeit stehend eben auch mehr moralische Integrität und
Zuverlässigkeit zu beweisen, während sich der anonyme Normalmensch in seinen
Handlungen wie auch in seiner Rede gegenüber Mitmenschen wohl öfters
ungestraft widersprechen kann und darf.
Ich persönlich bin eigentlich verwundert, daß es überhaupt immer Leute gibt,
die das Geschäft des Staates und der Politik freiwillig hauptberuflich
ausüben und damit neben der Arbeit nicht nur eine ganze Menge Schuld und
Verantwortung auf sich nehmen, sondern sich dafür freiwillig an den Pranger
der Öffentlichkeit stellen, um sich dort mit Unterstellungen, oft
unqualifizierten Vorwürfen, Verleumdungen, Beleidigungen, Bosheiten und
Tomaten bewerfen zu lassen.
Allein das Verhältnis des Menschen in institutioneller oder als
institutionelle Funktion, also des Politikers oder Beamten aber nicht anders
des Wissenschaftlers oder Fachmannes in seinem Verhältnis zum normalen
Privatmenschen ist eine noch weitgehend undurchdachte hochkomplexe Relation,
die bisher nur literarisch von Camus, Kafka (Das Schloß), Broch (Die
Schlafwandler), Brecht (Puntila und sein Knecht M.) und Musil (Der Mann ohne
Eigenschaften) und zwar nur in ihrer problematischen und den Menschen beleidigenden
Komplexität thematisiert und angeklagt, keineswegs aber derart
aufgeschlüsselt oder auch nur im Ansatz verstanden wurde, als daß sich
positive Denkansätze daraus ableiten ließen, wie sich ein solches
Mißverhältnis normalisieren ließe, was ich am Ende des Aufsatzes im Ansatz
versuchen werde. Jeder Privatmensch und sicher auch jeder Beamte wird
Gegenbeispiele aufzählen können, wo durch Inkonsequenz und besondere mutige
Initiative bei aktuellen Anlässen der problematische Teufelskreis einer
institutionellen Staatsmaschinerie durchbrochen wurde. Natürlich und gottlob
gibt es dieses, es gibt ebenso Verständnis, Anpassung und Gewöhnung des
Privatmenschen, aber dieses bedeutet nicht ein Verstehen oder die Lösung des
Grundproblems an sich.
Man wird sich als Bürger angesichts der anstehenden zunehmenden Staatsmacht
und Komplexität der ganzen Problematik wohl chinesische Geduld einüben und
sich mit solcher so gut und recht wie möglich einrichten müssen. Einerseits
führt solches Nichtverstehen beim Bürger, wie wir noch genauer untersuchen
werden, zu Ressentiments gegenüber den Institutionen. Andererseits wird in
solchen zu erwartenden entwicklungsbedingten Loyalitätsstrukturen unserer
Demokratie d.h. des Staates zunehmend die Wahrheit selbst und das Individuum generell
im Wesen bereits staatsfeindlich.
Alter Filz als Zentrifugalkraft.
Wenn man nun solches im Auge behält, sind die Veränderungen ganz besonders in
Deutschland durch die beiden Ereignisse gekennzeichnet:
1. Aufgabe der Feindposition des Ostblocks d.h. das Ende der Kritik aus dem
Osten,
2. Wiedervereinigung;
was in gleicher Weise auch ganz global und weltpolitisch für die 1. und 2.
Welt gilt.
Vereinfacht gezeichnet bedeutet dieses, wenn ich die einstigen Todfeinde, den
ehemaligen Osten als "Links" (= viel Staat und Dirigismus) und den
Westen als "Rechts" (= weniger Staat und mehr freie Initiative)
verstehe und bezeichne, daß alle Argumentation, Polemik und Agitation der
vergangenen 70 Jahre im Ost-West-Konflik als in der Koexistenz zuerst einigermaßen
ausgewogen waren und dann durch Gorbatschow ein-sei-tig beendet wurden. Ich
könnte einfach sagen, daß die eine Seite aufhörte zu schimpfen, d.h. das
mörderische und zugleich naive und unrealistische Feind-Freund-Denken aufgab.
In gewohnter Loyalität oder Opportunität einerseits und wegen der fehlenden
Kontraposition einer anderen Seite entsteht in der Folge vom Westen her oder
von der westlichen "rechten" Position her ein Zerrbild:
mit einem einseitigen Übergewicht nicht etwa nur des geographischen oder
militärischen Westens, - davon sei hier abgesehen, - sondern der alten
Argumentations- und Wertstruktur, - und dieses nicht etwa nur in den Köpfen
der Menschen aus dem ehemaligen Osten gegen ihr eigenes ehemaliges Regime,
sondern ganz besonders in den Köpfen der Menschen im Westen, wo ein Gedanke
oder eine Argumentation nun nicht mehr durch die Realität des Ostblocks,
durch eine physische Mauer oder eine militärische oder polizeiliche Macht
einer-seits provoziert aber zugleich auch in Grenzen gehalten wurde, und wo
solches nun durch Reflektion oder Vernunft, d.h. durch Selbstbeschränkung
geschehen müßte, wie es Walter Stützle vom Berliner "Tagesspiegel"
treffend formulierte. - Ein Übergewicht von "Rechts" in die
Rechtsradikalität bei einigen - leider nun auch noch mit dem ganzen alten
gedanklichen, faschistischen und nationali-stischen Kontext der Kriegs- und
Vorkriegszeit behaftet - bedeutet gewissermaßen ein Über-schwappen
kinetischer antikommunistischer Gewohnheit.
In diesem weltanschaulich nun einseitigen Vexierbild oder besser der Enation,
der Abnormität, der Bildung von Auswüchsen ist z.B. der oft beschworene
Fremdenhaß, wie er in Deutschland - ich denke aus reiner solcher
Orientierungslosigkeit und dem Fehlen besserer "rechter" Argu-mente
- nun ein im Grunde auch xenophobistischer Versuch der Orientierung und
Selbstfindung, - wobei die Tätlichkeiten natürlich mehr als kriminell sind.
Mit anderen Worten: Nach der gro-ßen Wende tritt besonders der Deutsche aus
einem politisch gesehen provinziellen Schattenda-sein in der großen
westlichen Gemeinschaft nun in eine metropolitische unangefochtene,
unge-wohnte Gültigkeit als Großmachtmensch und bekommt einen Schrecken, wenn
er auf den Stra-ßen plötzlich gehäuft Menschen aus aller Welt, aus allen Kulturen
und Religionen ganz selbst-bewußt und selbstverständlich ihren Geschäften
nachgehen sieht.
Provinziell dabei ist als Reaktion sowohl die Aufgabe der eigenen Identität
wie die Angst vor einer solchen. Beide Phänomene lassen sich deutlich
erkennen und nachweisen.
Zudem suchen einige ihre Identität durch die Abgrenzung von Anderem, und zwar
anstelle des alten Feindbildes. Hierbei kommen im Prozeß der Neuorientierung
vielleicht zusätzlich uralte, archaische, phylogenetisch zu verstehende
vorchristliche Sozialstrukturen an die Oberfläche. Und im Sinne der einstigen
Zugehörigkeit bietet sich statt der einst indoktrinierten Ideologie im Osten
und der Antiideologie im Westen eben keine Ersatzdoktrin an, wobei in jenen
verwirrten Köpfen der Fremdenhasser als Essenz möglicher neuer Loyalität nur
die Loyalität mit sich selbst auftaucht, d.h., daß solche Wiedervereinigung
der Deutschen als neue Idee eben das "Deutsche" ist, für die
Kroaten das Kroatische und die Serben das Serbische u.s.w. einer Loyalität,
die sich aber nun zugleich gegen den inzwischen international verflochtenen
westlichen Staat ebenso richtet wie vormals gegen den östlichen bzw.
westlichen Block.
Man muß einfach verstehen, daß für viele Menschen die alten östlichen wie
auch alten west-lichen "linken" Argumente nicht mehr überzeugen
können, wobei sich fataler Weise gerade von der "rechten" Seite
keine vernünftige moderne Alternative anbietet, weswegen man auf alte
Schablonen zurückgreift.
Denn in diesem Vexierbild bedeutet von "Rechts" aus gesehen und
empfunden nun, wenn auch völlig unreflektiert, "Links" ja zugleich
'Staat an sich' oder Staatsvernunft und "Rechts" richtet sich dann
ebenso gegen internationale Vereinigungen und Verflechtungen wie auch gegen
innerstaatliche konföderative Strukturen, wodurch sich eben auch die echte
Wieder-vereinigung unglaublich erschwert.
Solche reinen psychologisch erklärbaren Loyalitätsstrukturen aus
Orientierungslosigkeit mit den Attributen "Wir Deutsche" oder in
anderen Ländern "Wir Slowenen", "Wir Kroaten", "Wir
Serben" können derart, ob mit ehemals "rechter" oder ehemals
"linker" Argumentation etiket-tiert, zu archaischen,
staatsfeindlichen und politisch zentrifugalen Kräften werden.
Orientie-rungslosigkeit entsteht ganz besonders da, wo einst westliche oder östliche
Vernunft in Bezug der globalen Gemeinsamkeiten nur Reaktion auf die Gefahr
aus dem Osten oder Westen war und nun ohne eine solche Gefahr entweder zur
Aufgabe der erzwungenen Ver-nunft und damit zur Auflösung der globalen
Gemeinschaften führt, oder nun durch eine neue oder bessere Definition oder
Argumentation, eben durch ein eigenes selbstständiges Funda-mentes ersetzt
wird. Die Ver-nunft, die man vorher zwangsweise einhielt, muß man nun
freiwillig weitermachen, wenn es nicht zu Mord- und Totschlag kommen soll.
Dafür können und müssen die neuen positiven Erfahrungen der Nachkriegszeit
eines mögli-chen friedlichen, konföderativen Miteinanders in Europa oder der
Welt ohne das jeweilige gemein-same Feindbild als Argument dienen, während
die radikal linken wie rechten Verle-genheitsparolen und Argumente der
Kriegs- und Vorkriegszeit diesen Ansatz nicht kennen oder akzeptieren sondern
ignorieren oder gar als linke "Fremdhegemonie" für die
"Radikalrechten" oder rechten "Kapitalfaschismus" für die
"Radikallinken" bekämpfen. Diese Virulenz konkretisiert sich in
Deutschland und auf Deutschland bezogen zwar nur bei weni-gen meist jüngeren
Menschen, ist aber als Staatsgleichgültigkeit und Verdrossenheit in den
Medien oder als Staatsfeindlichkeit durchaus zu beobachten und kontaminiert
in einem bei-spiellos naiven Engagement das reale
|
What about Germany, 2. Teil
Mit
dieser Kritik will ich ja nicht behaupten, daß es in China neben der
respektablen Entwicklung keine Kor-ruptionen und Mißstände gäbe, und auch
nicht, daß ich nicht Sympatie für die mutigen Leute hätte, die solche
Mißstände öffentlich kritisieren. Trotzdem war es kindisch und
unverant-wortlich, wie geschehen, gerade diese Studenten zum verrückten
Angriff auf das chinesische Mili-tär zu bestärken und geradezu anzufeuern mit
dem fragwürdigen Argument, daß die westliche Weltpresse schon hinter ihnen
stünde. Für unser eigenes Land halten wir es für selbst-verständlich, daß es
z.B. die deutsche Bun-deswehr, und viel mehr die US-Streitmacht nicht tatenlos
hinnehmen würde, wenn Studenten oder sonst wer begänne, Soldaten zu
masakrieren und Militär- und öffentliche Versorgungseinrichtungen
auszu-rauben, um dann richtig ballern zu kön-nen, aber ansonsten nichts
anderes zu wollen, als den bösen Staat einfach abzuschaffen.
Ob hier Journalisten, Studenten, die Militärs und selbst die Politiker
überfordert waren und vielleicht der Mensch überhaupt überfordert ist, die
Tragweite einer politischen oder auch nur logischen Forderung und einer
entsprechenden Reaktion zu übersehen, wenn sie einerseits so einfach zu
formulieren ist und andererseits die Existenz so viele Menschen betrifft, so
daß man von Moral sprechen könnte und nicht nur von Leichtsinn, läßt sich
natürlich nicht klar überblicken. Ob ein Mensch seine dignitive geistige
Überlegenheit anwendet und ausnutzt oder nicht, wie es ein körperlich
stärkerer Mensch einem schwächeren gegenüber tun oder lassen kann,
insbesondere dann, wenn solche Überlegenheit nicht tatsächlich oder objektiv
besteht, sondern erst durch die Akzeptanz desjenigen entsteht, der sich
schwächer fühlt, ist eine Frage von Weisheit und innerer Bescheidenheit, die
man von einem Karatekämpfer verlangt, aber eben nicht von Journalisten,
Studenten, Militärs und Politikern, die ja meist gerade solcher
sozialpsychischen Struktur ihr Mandat verdanken und dann überfordert sind.
Vielleicht hätten bei jener Studentenbewegung eher besonders geschulte
Psychologen im Gespräch mit den Studenten, Journalisten, Militärs und
Politikern eine Eskalation sogar ganz verhindern können. Im Nachhinein ist
man klüger.
Neben der natürlich hausbackenen und auch vom alten Geist antikommunistischer
Bosheit bestimmten Hetze, stand aber hinter jener einmütigen, kindlich naiven
und gewissenlosen Einseitigkeit westlicher Kom-menta-tion der Ereignisse noch
ein anderes Phänomen, nämlich ein grausames, gewissenloses, westliches
gesell-schaftli-ches Modespiel der Superreichen, "Sepsy", das in
unserer Zeit auch im Kontext der Jugoslawien-debatte eine besondere Rolle
spielt, das weiter unten noch gesonderter Aufmerk-samkeit bedarf.(Seite 20)
Das Ende der alten Links-Rechts-Konstellation.
Jene radikale, aber nun anachronistische Einseitigkeit "Rechts"
gegen "Links" und umgekehrt, war ohne Zwei-fel für die Entwicklung
der Demokratie in Westdeutschland segensreich. Denn nach dem Vorbild der USA
und Großbritannien entwickelte sich dadurch ähnlich der dort bereits
traditionellen Rechts-Links-Struktur eine entsprechende Parteienlandschaft,
wobei diese weltanschauliche Konfrontation im Lande selber differenzierter
d.h. weniger radikal
gehandhabt und formuliert werden konnte und mußte, als in der
Ost-West-Konfrontation, weil sich beide Sei-ten zum Grundgesetz und in der
geopolitischen Konfrontation "Ost-West" eindeutig zum
"rechten" Westen und zum Natobündnis bekennen mußten. Man war
gezwungen zu lernen, das Recht des Menschen zu einer anderen Ansicht zu
akzeptieren.
Segensreich war diese Zwiespältigkeit natürlich eben-falls für den ähnli-chen
Lernpro-zess, durch den einmal die europäischen seit ewig gegeneinander
kämpfenden Natio-nalstaaten zu einem friedlichen Miteinander gezwungen wurden
und damit auch ihren Nationalis-mus differenzierter und
ver-antwortungsbewußter formulieren und handha-ben mußten, durch den aber
andererseits - angesichts der im Osten praktizierten härteren Bevormundung -
zum anderen die individuelle Unabhängig-keit des Menschen im Sinne der
Menschenrechte auch für die Kolonialstaaten wie ebenfalls die nationale
Unabhän-gig-keit der Staaten zu einem wesentlichen welt-an-schaulichen
Argument der westlichen Ge-mein-schaft wurde. In dieser Konstellation war
ebenfalls global gesehen solcher Art Wertgestal-tung als
Internalsierungseinfluß der USA auf die ganze westliche Welt aufgrund der
finanziellen und mili-tärischen Übermacht ein wichtiger Integrationsfaktor,
der in Europa zu einer Relativierung der bestehenden Nationalismen bei den
Rechten und zu einer Relativierung der Internationalismen der Linken führte
und damit einen vernünftigen europäischen Konföderations-gedanken erst
mög-lich machte, aber im Fundament des Grundgedankens eben weitgehend nur
Reaktion auf die östliche Gefahr war und noch nicht ein selbstständiges
Denken mit eigener Vernunft vermitteln konnte, wie es jetzt beim Wegfall der
östlichen Gefahr für ein Weitergehen in dieser Richtung notwendig wäre, wie
es der neueste Journalismus und wie es die nationalistischen und
partikularistischen eben zentrifugal wirkenden Tendenzen in vielen
europäischen Ländern demon-strieren.
Es war eben der bescheidene und weise Deng Xiaoping, der als erster
Realpolitiker einsah und die Einsicht in die Tat umsetzte, daß nach diesem
Lernprozess das disjunktive Verhältnis von Gesell-schaftstrukturen auf dieser
Erde eben weltfremd und überholt ist. In Deutschland waren es Willi Brand und
Erhard Eppler, wonach endlich Michail Serge- jewitsch Gorbatschow
weltpolitisch die mörderische Konfrontation Ost gegen West beendete und
Vernunft und Gewissen wieder über jene eben durch den Lernprozess
anachronistisch gewordene Todfeindschaft unterschiedlicher Ansichten stellte,
ohne dabei die mögliche und notwendige Unterschiedlichkeit der Ansichten
selbst zu ignorieren.
Im Kontext beider Prämissen muß sich eine modernere Definition von
"Links" und "Rechts" befinden. Mit einfachen Worten: Eine
Weiterführung der positiven Aspekte in den Demokratien der westlichen
Gemeinschaft muß nun ohne die drohende Peitsche eines atomaren Weltkrieges,
ohne die Bedrohung durch eine stalinistische Bevormundung der Menschen und
der Staaten mit neuen Argumenten und eigener Vernunft versucht werden, wie
sie nun auch in den osteuropäischen Ländern akzeptabel sein können. Dieses
kann man kaum durch die einfache Glorifizierung einer Idee erreichen, die ja
noch recht undeutlich ist, als mehr durch das Aufzeigen und Verwirklichen von
konkreten Möglichkeiten und Notwendigkeiten.
Das Gelernte darf erstmal nicht vergessen werden.
Nach diesem Lernprozess unseres Jahrhunderts und nach der Wende gibt es eben
diese Erfahrung und das Wissen um eine moralische Linie, ab der man sowohl
"Rechts" wie "Links" eine absolutistische Doktrinität und
damit einen Grad von disjunktiver Einseitigkeit erreicht, ab der man gegen
besseres Wissen unwahr und unmenschlich würde. Ein solcher Rückfall beginnt
sozialpsychisch bereits da, wo eine Diskussion mit dem Andersdenkenden als
"zwecklos", als Verrat, als eigene Unsicherheit und Schwäche
gewertet wird.
Dabei können diejenigen, die in Deutschland nun mit Vorkriegparolen Steine
und Brandsätze auf hilflose Ausländer werfen, verstanden aber auch zur Verantwortung
gezogen und bestraft werden. Aber sie tun im Grunde nichts anderes, als was
der westdeutsche Journalismus so einmütig in der Rechten wie in der linken
Presse gedankenlos, ungezügelt und unreflektiert an Jugoslawien voll-bracht
hat, und was der US-Wahlkampfjournalismus ganz unbeabsichtigt in Südamerika
leistete. Sie hinken einmal der Zeit hinterher und reflektieren zum anderen
nicht ihre Macht, und reflektieren nicht, daß sie sich damit in einem Bereich
der Gewissenlosigkeit als einem scheinbaren Recht auf rhetorische Unwahrheit
befinden, der sich im kalten Krieg wie ein Krebsgeschwür der Menschheit
bildete und nun abgebaut werden muß. In diesem glücklich überwundenen
Ost-West-Konflikt war hemmungslose und auch unwahre Polemik gegen den Feind erlaubt,
wobei man aber auf beiden Seiten von der gegnerischen Polemik relativ
unberührt bei der eigenen Kontraposition blieb, eine Unsitte, die man nun
eben nicht gegen den innen- und parteipolitischen Gegner wenden und
weitermachen darf, was sich ja dann gegen die entstandene Konstellation, d.h.
gegen den Staat selbst richtet, sondern man muß solche durch eine neue oder
besser "deutlichere" Akzentuierung der eigenen linken oder rechten
positiven Ziele ersetzen.
Die westdeutsche in ihrem überzogenen Selbstbewußtsein lernträge oder schier
lernunwillige DM-Presse, zudem mehr mit den menschlichen Genitalien als mit
großen Veränderungen der Gegenwart beschäftigt, hatte dabei plötzlich eine
für sie selbst ungewohnte und unreflektierte konstituierende Macht eben auch
in das bis dahin "feindliche", östliche Umland, wo nun eher eine
erhöhte Anfälligkeit für die Gegendoktrin des Westens besteht, wo es um
eigene Belange geht und zugleich eine erhöhte Sensibilität, wo sich solche
"rechte" Einseitigkeit der Deutschen auf Deutschland bezieht, auf
die man eben nicht mehr mit ebensolcher "linken" absolutistischen
Einseitigkeit antworten kann. Es wurden und werden in alter polemischer
Unbefangenheit z.B. sofort slowenische, kroatische, bosnische Grenzverläufe
und zwar nach den Wunschvorstel-lungen der Minderheiten als gültig
veröffentlicht, über die nie verhandelt wurde; andere Gegen-rechte und
Vorstellungen wurden und werden bis heute verschwiegen. In einem Land der
Presse-freiheit wie Deutschland muß man noch heute auf die Straße gehen und
versuchen, einen Serben zu treffen, um auch von der Argumentation und
Denkweise der Gegenseite etwas zu erfahren. Und das ist in der Tat
beschämend. In gleicher Weise und merkwürdiger Einmütigkeit ist und war z.B.
auch die Berichterstattung über die vom Staat initiierte gewaltige
Demonstration in Berlin gegen Ausländerfeindlichkeit negativ und dünn, wärend
die relativ kleine aber linke Rockveranstaltung gegen Ausländerfeindlichkeit
in Bonn sofort, wie verabredet, den mehrfachen Raum an Berichterstattung und
zwar eine makellos positive ausmachte wie nicht anders die stumme
Kerzendemonstration in München, deren "Links" ja im Grunde ja auch
bedeuten sollte: "gegen den bestehenden und für einen anderen, neuen,
absoluten Staat" einer nebulosen naiv-oppositionellen Vorstellung und
damit in merkwürdiger Übereinstim-mung mit denjenigen, die die Brandsätze auf
Ausländerwohnheime warfen, gegen die man prote-stiert, in der latenten
Diktion: "daß Vernunft vom Staat nicht zu erwarten ist und auch nicht
geglaubt und auch nicht gewollt und gedul-det wird.".
Man muß natürlich auch diesen provinziellen Journalismus von Links verstehen,
tue es, wer kann!, nur daß man die Journalisten für den zigtausendfachen Tod
hilfloser Ausländer eben (Serben, Bosnier, Kroaten) nur moralisch und nicht
strafrechtlich verantwortlich machen kann. Sie berufen sich auf die
Pressefreiheit und sie profitieren weiter von jeder sentatio-nellen
Gemeinheit in jenem Ausland, die einhellig und einseitig polemisch, was auch
der Friedens- und Konfliktforscher Galtung heftig kritisiert, nur den Serben
als dem Rest des ehemaligen Staates, den "bösen faschistoiden
Kommunisten" also, oder serbischen "Faschisten" angekreidet
wird, obwohl sie sehr wohl auch um die Macht und Wirkung ihrer parteilichen
Berichterstattung wissen könnten.
Trotzdem waren die Kerzendemonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit nicht
nur eine großartige und wichtige Sache sondern auch erfolgreich, wie nicht
anders die vielen öffentlichen Statements von Journalisten, Schauspielern und
Politikern in den Medien.
Diese Diffusion aber ist in der Tat schwer zu verstehen, wenn man sie nicht
auf die eingangs genannten beiden aktuellen politischen Veränderungen in
ihrer Correlation zurückführt, nach denen praktisch die disjunktive Ra-dikalität
des Ost-West-Konfliktes gedankenlos und unverantwortlich nun in die eigene
Demokratie und dann derart unverdaut auch noch in die noch instabilen
Nachbarländer hineingebracht wird, was sowohl verbal wie weltan-schaulich
einen Rückfall in die Vorkriegssituation bedeutete.
Absurder alter Wildwuchs, der die Desorientierung bestärkt.
Selbst wenn man annimmt, daß dahinter eine bewußte Strategie vielleicht der
alten westlichen Geheimdienste stünde, wäre das ja nichts anderes, als eben
die Desorientiertheit des Westens nach der Wende durch Gorbatschow. Eine
Annekdote aus Westberlin erzählt, - die nicht so wörtlich zu stimmen braucht,
- wo es eine kleine SED-Schwester gab, die gefürchtete SEW, die bei den
Wahlen mit 0,2% ein Gigant unter den vielen kommunistischen Parteien
Westdeutschlands war, die aber zu 2/3 aus westlichen Spitzeln bestand,
solchen aus den USA, dem westdeutschen Geheimdienst, aus Franzosen,
Engländern, Holländern, Belgiern, Schweden, Italienern, Dänen, Spanien, aber
auch aus Russen, Polen, Tschechen, Rumänen, Ungarn u.s.w.- , diese SEW also
wollte sich nach der Wende durch Abstimmung auflösen, was aber deswegen nicht
gelang, weil alle Spitzelmitglieder aus Angst um ihren Arbeitsplatz (als
Spitzel nämlich) dagegen waren; und die SEW sich so einer anderen Partei
anschließen mußte .
Die Absurdität solcher Desorientierung bedeutet, daß nun z.B. eine
bestehende, realistisch denkende CDU-Regierung auf der einen Seite die
Position "Links" gegen "Rechts" vertritt, und bereits
deswegen, weil sie eine "linke" Opposition im Staat duldet, aber
eben auch, weil sie mit einem differentierteren National-bewußtsein einen
international verflochtenen Staat gegen alte nebulöse nationalistische und
völkische eben separatistische Vorstellungen verteidigen muß, und daß auf der
anderen Seite ganz besonders in Berlin die alten ideologischen Kräfte des
Westens sich an den alten noch bestehenden antikommunistischen wenn auch
privat verwalteten Geldtöpfen festhalten, die einst von Banken und
Geschäftsleuten gegen die "linke Gefahr" eingerichtet wurden und
vielleicht von Einzelnen auch politisch ernst gemeint waren, Geldtöpfe, in
die natürlich auch Steuergelder fließen, - jedes Privatde-tektivbüro in
Westberlin lebt davon, - wobei es hier bei dem illegalen und weitgehend
kriminellen, außergesetzlichen d.h. ungesetzlichen Kampf gegen unliebsame
linke Journalisten, Publizisten, Künstler, Abgeordnete oft dann auch gegen
unliebsame Mieter, Vorgesetzte, Konkur-renten, d.h. um private finanzielle,
jedenfalls unpolitische Interessen ging und geht, wobei die selt-samsten
Gruppierungen, wie extreme Rechte und die unterschiedlichsten Sekten
involviert waren und sind, wo immer sie sich antikommunistisch gaben und ja
nicht nur unliebsame linke Gegner von ihren Posten in den Medien und sonstwo
entfernten, sondern dann auch mit den eigenen Leuten besetzten und damit nun
auch weiterhin im öffentlichen Dienst, selbst in der Polizei eingeflochten
sind, und diesen für ihre eben auch sektiererischen Interessen benutzen und
es längst Aufgabe des Staates wäre, solchen nun endgültig nicht mehr zu
recht-fertigenden staats- und rechtsfeindlichen rechtsradikalen Wildwuchs von
Selbstjustiz und Faust-recht, der sich längst gegen ihn selbst wendet, zu
beschneiden. Natürlich gehört zu jenem Kreise an dem Geldtopf der
"Freiheitskämpfer" in einst antikommunistischer Loyalität auch die
legale westliche "Linke" und versucht die Gelder im eigenen Sinne
zu verteilen bzw. zu vereinnahmen, was im ordentlichen Sinne gar nicht
möglich ist. Vor jenem geheimen Tribunal hat z.B. ein Betroffener, der durch
einen Telefonanruf, ein Gerücht oder wer weiß wie auf die Abschußliste kommt,
natürlich keine Ahnung von seinem plötzlichen Pech, als ein zum Abschuß
freigegebener Staatsfeind markiert zu sein, er hat keine Möglichkeit sich zu
recht-fertigen, und bekommt keine Erklärung, wieso plötzlich Wohnung,
Schreibtisch und Auto regelmäßig aufgebrochen werden, daß Briefe geöffnet
werden und verschwinden und was immer man sich an Schikane und Gemeinheit nur
ausdenken kann, angefangen bei aufgeschlitzten Reifen, durchgeschnittenen
Bremsleitungen, bis zum Verlust der Arbeit, jeder Verdienstmöglichkeit und
der gezielt zerstörten Familie und des Freundeskreises, wobei der Einstieg in
die Privatsphäre natürlich immer durch das gleiche Loch erfolgt, was noch
härter als der Bruch des Briefgeheimnisses unter Strafe gestellt und auch
staatlichen Beamten verboten sein müßte.
Was einst sicher aus Sorge um den Staat gegen die linke Bedrohung aus dem
Osten sich zu einer Art privater "Antistasi" entwickelte, würde
sich nun nach der Wende als zentrifugale Kraft gegen diesen Rechts-staat
selbst richten, - dort an diesen Geldtöpfen liegen ja viele Leichen in den
Kellern und führen nun zu obskuren westlichen Seilschaften, die z.B. in Berlin
wegen der langen Berliner SPD-Herrschaft naturge-mäß - aber weltanschaulich
gesehen paradoxer Weise - SPD-orientiert sind und selbst von der Stasi
unterwandert war und ist. Man muß sich dabei ganz konkret vorstellen, daß
Millionenbeträge ausgegeben, und das heißt ja auch begehrt und eingenommen
werden, um einzelne Menschen in ihrer Existenz psychisch und phy-sisch fertig
zu machen, bis in Paranoia, Selbstmord oder in eine asoziale Existenz zu
treiben, und ein noch größerer Aufwand ist nötig, um solche ungesetzlichen,
illegalen Machenschaften zu vertuschen; die beteiligten Akteure, inzwischen
in Ämtern und öffentlichen Einrichtungen etabliert, es sind oft Mitglieder
von Sekten und weltanschaulich obskuren Gebilden, bleiben sich gegenseitig
verpflichtet und sind entsprechend be-stechlich; da mußten Anwälte und
Staatsanwälte bestochen, "abgeschossen", versetzt, ersetzt oder
beför-dert werden, d.h. da werden nun die "Staatsverteidiger"
selbst zu Gegenspielern der staatlichen Rechts-ordnung. Aus solchem Sumpf,
den man kaum noch als Pragmatismus einordnen kann, kann sich letztlich nur
Mißtrauen und Staatverdrossenheit ausbreiten, keinesfalls aber eine
Selbstbesinnung. Ich denke und wiederhole, man sollte diesem nun
anachronistischen Gewächs des kalten Krieges den Geldhahn zudrehen. Denn
dieser Wild-wuchs bedeutet eine Kraft, die nun ohne Widerstand von
"Links" nach "Rechts" überschwappt oder doch solches
bewirkt - und zwar gegen die eigentlichen Interes-sen aller Parteien.
Und solche inzwischen anachronistisch gewordenen parastaatlichen oft
privatmilitärischen Strukturen finden sich noch überall in Europa, in
Südafrika und Südamerika insbesondere, aber auch in Asien und den USA, - und
zwar in einer von niemandem kontrollierten Eigendynamik von weltanschaulichem
Abenteurertum der einen Seite als Aktion oder der anderen Seite als linke
Reaktion.
Trotz dieser Schwierigkeiten und aller ökonomischen Probleme verläuft die
Wiedervereinigung als sozialpsychische Angleichung insgesamt positiv wie in
einem Bilderbuch.
Im ehemaligen Osten Deutschlands hat neben den oben beschriebenen
Veränderungen, dem Weg-fall der Ost-West-Konfrontation und der
Wiedervereinigung zusätzlich das den einzelnen Menschen viel unmittelbarer
betreffende Ereignis der Wende stattgefunden. Diese bedeutet eine Erfahrung,
die alle Deutsche nach dem Krieg in ähnlicher Weise, nämlich als den
Zusammenbruch eines ideologischen Regimes und Wertesystems, wo man sich
auskannte und sich eingerichtet hatte, bereits einmal machen mußten.
Obwohl sicher alle Welt darüber einig ist, daß die Ziele des Faschismus
eindeutig gottlos, unmoralisch und böse waren, denn man wollte ganz konkret
boshaft, wenn auch pseudowissenschaftlich unter-mauert und gerechtfertigt,
nicht nur andere Völker unterdrücken, ihnen die menschlichen Grund-rechte
nehmen und sogar regelrecht ausrotten, sondern auch die Schwächsten und
Kranken des eigenen Volkes töten, ist jene Episode als Möglichkeit oder Art
von weltanschaulicher Einigung bis heute kaum durchdacht und verstanden
worden. Die zu einfache Erklärung, daß sich hier die bösesten Menschen für
das Böse entschieden, weil sie von besonders minderer geistiger oder
moralischer Qualität waren, stimmt faktisch wohl kaum, denn diese
nationalsozialistische "Bewegung" wurde im Gegenteil von den
meisten Deutschen sogar als ein moralischer Aufbruch empfunden und gerade als
solcher befürwortet.
Die sehr komplexe und unbeantwortete Frage bleibt: Unter welchen Bedingungen
und Umständen und mit welchen Folgen für das ethische Bewußtsein einigen sich
Menschen unter einer Idee oder Ideologie, wie wird dann daraus eine
absolutistische Doktrin, und was bedeutet eine weltanschauliche Einigung
überhaupt?.
Die sozialistische Ideologie war ja doch eindeutig antifaschistisch und von
dem guten Gedanken der Gerechtigkeit und des Fortschritts für alle Menschen
und Völker der Welt getragen, wenn Stalin von der praktischen Vorgehensweise
der Nazis auch beeindruckt gewesen sein mag und anfangs womöglich dort
manches als vorbildlich ansah und übernahm. An der stalinistischen Brutalität
haben wir Deutsche ganz sicher einen kreativen Anteil. Die eben nicht
verstandene Effizienz und Überzeugungskraft faschisti-scher Sozialstruktur
wird ja auch heute noch von manchen Menschen in aller Welt bewundert und
heimlich als bessere Alternative zu dem "demokratischen Klüngel"
amerikanischer oder westlich-demokratischer Staatsführung angesehen. Ohne
damit also Faschismus und Sozialismus in einen Topf werfen zu wollen, kann
man das ihnen Gemeinsame, nämlich die wohl typisch deutsche Kopf-geburt des
Ideologischen, oder des absolutistisch wissenschaftlichen Glaubens als
sozialem Eini-gungsfaktor nennen, der von sehr komplexer und vielschichtiger
Struktur ist, die ich weiter unten nur umreißen kann. Entsprechend
kompliziert ist das, was in der Seele eines ehemaligen DDR-Bürgers mit der
Wende vor sich geht, besonders dann, wenn er vordem loyal zur DDR gestanden
und an ihre Ziele geglaubt hatte, was also nicht a priori etwas Böses, wenn
doch wohl etwas Verhängnisvolles war; und der ehemalige Ostmensch ist
geradezu prädesti-niert, dieses auch philosophisch aufzuschlüsseln. Das
Seduktive jedenfalls daran war die scheinbare Beweisbarkeit, Machbarkeit und
Widerholbarkeit einer wissenschaftlich definierten Sozialstruktur.
Vereinfacht kann man jedoch auch ohne Beihilfe der Philosophie sagen, daß die
Feindschaft der sozialistischen Idee zum Kapitalismus um so mehr an
Glaubwürdigkeit und Berechtigung verlor, je mehr die westlichen Demokratien,
d.h. der dortige Kapitalismus zur Vernunft kam und in seiner möglichen
Willkür in Grenzen gehalten wurde und es wohl erst dadurch auch zu einem
Wohlstand der Allgemeinheit kommen konnte, während die Staatsallmacht im
Osten in der Ent-wicklung aus bereits genannten und ebenfalls noch
unverstandenen Gründen stagnierte.
Die andere Sozialisationsstruktur im Osten heute, wo diese Veränderung als
einfaches Jumping gesehen ganz gehörig mißverstanden würde, wo man aber
global betrachtet, einen Mitmenschen vorher eher danach beurteilte und
abschätzte, wie weit er konstituierend zur Macht gehörte bzw. wieweit er
Privatperson geblieben war, wird heute nach 3 Jahren längst überlagert von
anderen wenn auch nicht immer besseren Kriterien der westlichen
Menschenkenntnis: ob jemand Geld, Eigentum und Beziehun-gen hat, Arbeiter
oder Intellektueller ist, ob er vertrauenswürdig oder ein Schlitzohr,
Idealist oder Materialist ist, in welcher beruflichen Position oder Funktion
er ist, wieviel er verdient u.s.w., und natürlich auch, ob jemand oder wie
weit er solche Menschen-kenntnis hat und anwendet oder nicht. Und auch
wirtschaftlich verläuft die Umstellung besser, als es in den Medien
dargestellt wird. Natürlich muß mancher das Recht auf Freiheit, auf Fehler
und auch auf Frechheit und Unverblümtheit erst einmal probieren und ausloten,
- denn auch im freien Westen haben diese Rechte ihre Grenzen und ihr Gebrauch
mitunter unliebsame Folgen, und natürlich braucht es Zeit, bis das vorher
recht gleichmäßig verteilte Geld sich unterschiedlich akkumuliert, wodurch
Wirtschaft erst zu pulsieren beginnt, und man muß lernen, nie mehr genügend
Geld zu haben.
Man muß hoffen, daß sich im neuen Deutschland und in Europa Vernunft und
Verantwortungs-bewußtsein entsprechend dem Einflußzuwachs einpendeln, daß
zunehmende oder reifende Men-schenkenntnis auf beiden Seiten die oben
beschriebene Einseitigkeit, Voreingenommenheit oder Naivität der Medien
durchschaut und sich diese auch durchschaut fühlen, - und ich meine, daß die
etablierten Parteien ihre Möglichkeiten der Einflußnahme auch dahingehend
benutzen, und eben nicht mit der Unvernunft pokern oder sich ihr anpassen;
und es ist dann auch kaum zu befürchten, daß bereits bei den nächsten Wahlen
vor einer weiteren Normalisierung eine radikale und ideolo-gisierte, zu mehr
unre-flektiertem Staat neigende "Linke" oder "Rechte",
womöglich noch unter-stützt von solchen subver-siven Seilschaften die Macht
übernimmt und wir in einen globalen Sozi-alfaschismus geraten, ehe wir uns
auf die neue Situation recht besonnen oder doch wenigstens die positiven
Aspekte und Anssätze gesichert haben, um deretwillen die Ostländer
schließlich ihre ideologische Zwangsjacke abwarfen.
Ich hoffe dieses, obwohl ich selbst als Linker trotz gegenteiliger Erfahrung
glaube, daß eigentlich und theoretisch der Staat bei aller
Subsidiaritätsbeschränkung die positiven Möglichkeiten und Notwendigkeiten
unserer Zeit viel schneller und vernünftiger verwirklichen können müßte, als
er es tut und als es der freie Markt leisten kann, wie eben bessere
Kommunikation, bessere Information durch die Medien, besserer Wohnungsbau,
besserer Verkehr, sauberere Luft, eine technisierte Müllver-wertung, bessere
Schulen, mehr Universitäten, bessere Arbeitsplatzstruktur und -verteilung
u.s.w., u.s.w..
Notwendige Neuorientierung.
In jedem Fall jedoch ist zuerst die alte disjunktive Vorkriegsdisposition der
Feindvorstellung "Links" gegen "Rechts" und umgekehrt als
Anachronismus zu erkennen, als es ja unsinnig wäre, die einstmal territo-rial
und machtpolitisch konstituierte Trennung von "Links" und
"Rechts" in ihrer Todfeindschaft nun zu einem gesellschaftlichen
Prozess von ebensolcher disjunktiven Tod-feindschaft werden zu lassen, in dem
keine Seite die andere als mögliche andere Ansicht tollerieren könnte, ein
Anachronismus deswegen, weil sich inzwischen beide Seiten der etablierten
Parteienlandschaft notgedrungen zu mehr Staat gezwungen sehen, weil beide
Seiten inzwischen die Notwendigkeit einer funktionieren Privatwirtschaft
anerkennen und weil beide Seiten oppositionelle Parteien, Gewerkschaften,
Mit-sprache, und den Sozialstaat - von dem Lenin und Marx nur hätten träumen
können - gleicherma-ßen vertreten und befürworten; und es ist an der Zeit,
daß sich "Links" wie "Rechts" neu und ver-nünftig und nun
nicht mehr in Todfeindschaft ideologisch gegeneinander sondern sehr viel
grundsätzlicher definieren. Hier stehen sich ja nicht mehr als natürliche
Feinde oder Klassen die reichen Unter-nehmer und Privilegierten auf der einen
Seite und arme, rechtlose Arbeiter auf der an-deren Seite gegenüber, wobei
jede Seite die absolute Macht über die andere erreichen möchte.
Dieser Aspekt gilt ja auch für die nun anstehende Nord-Süd-Problematik, deren
Lösung behindert oder geradezu verhindert würde, wenn wir statt einer
deutlicheren positiven Definition innerdemo-kratischer Tendenzen die alten
und hoffentlich überlebten negativen Feindparolen exportieren, nach denen
entweder im Sinne alter Linksparolen die Reichen einfach nur böse sind und
man ihnen Reichtum und Macht einfach nehmen oder zerstören muß, wobei auf die
Dauer die Minderheit der wohlhabenden Menschen zum einen kaum eine
Überlebenschance hätte und zum anderen den Armen auch noch nicht geholfen
wäre, oder nach denen in radikal kapitalistischer Ideologie Reichtum und
Macht in noch diskriminierenderer Weise als Legitimierung von Vorrechten
definiert ist und sich die Welt nach archaischen Denkbildern von Gewinnern
und Verlierern im Darwinschen Sinne zu ordnen hätte wie es in der Tierwelt
ein natürlicher Vorgang ist, daß der Stärkere den Schwächeren auffrißt.
Die Schwierigkeit der Selbstdarstellung.
Da es hier sinnvoller Weise nicht darum gehen kann, sich einen besseren Staat
auszudenken, in dem es vielleicht den Unterschied von Reich und Arm, von
Überlegenheit und Unterlegenheit oder von Gut und Böse nicht mehr gibt, und
da es kaum einen Sinn macht, sich ganz neue Parteien und damit eine neue
Parteienstruktur auszudenken und womöglich mit ganz anderen und neuen
Menschen, - dieses zu versuchen, bleibt natürlich jedem überlassen, - sondern
es vielmehr und zwar dringend darum gehen muß, die positiven Aspekte der
realen Wirklichkeit sowohl des Staates wie der existierenden Partien
darzustellen und zu sichern, und zwar ohne etwas zu beschönigen oder gar zu
idealisieren und ohne damit eine weitere Entwicklung zu verneinen, ohne also
die Wirklichkeit zu verfälschen, können wir also nicht mehr die Maßstäbe der
überwundenen, alten, disjunktiven "Rechts"-"Links"
Argumentation benutzen, die unvermeidlich auch zur Verneinung des Staates
führen, sondern müssen von der bestehenden
"Rechts"-"Links"-Konstellation ausgehen, wie sie sich
unter dem Druck der Geschichte und der Verhältnisse in den westlichen
Demokratien insbesondere in den vergangenen zwei Jahrzehnten real entwickelt
haben und für die Länder im ehemalgen Ostblock auch als bessere Alternative
angesehen und gewählt wurden.
Der schillernde Reichtum des Westens bedeutet eben nicht, daß alle gleich
reich sind sondern resultiert im Gegenteil davon, daß es reiche Unternehmer
gibt, die dem Besitzlosen zum einen einen Arbeitsplatz bieten und Löhne zahlen
und die zum anderen die Produktion von Waren organisieren, die man dann
kaufen kann. Der Reichtum der Reichen besteht also nicht derart, daß er den
Armen weggenommen und dann vergraben würde, sondern das Geld der Reichen
kursiert in der Volkswirtschaft wie auch das Geld der Arbeiter, so daß
Reichtum mehr abstrakt wie die Verfügungsgewalt über Geld und Kapital gesehen
werden kann, d
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What about Germany, Teil
3
Ich
selbst hatte Alpträume und verspürte eine regelrechte Weltuntergangsstimmung,
als ich die Symptome zum Ende der 50ger Jahre bewußt wahrnahm. Allerdings
kannte ich den verführerischen Gedankenfehler oder Zirkelschluß im Sorites
einer Polemik noch nicht, der darin besteht, daß man eine Lüge oder
Halbwahrheit nicht nur als solche benutzt und schließlich selbst glaubt
sondern die eigene Entscheidungskompetenz über wahr und unwahr, richtig und
falsch aufgibt oder verliert. Ein Sorites ist der zu kurze logische Schluß,
daß man von einem Sandhaufen ein Sandkorn entfernen kann, ohne daß dieser das
Attribut, ein Sandhaufen zu sein, einbüßt, so daß das Sandkorn also keine
Rolle spielt. In der gesellschaftlichen Konsequenz heißt dieses ganz
allgemein: Der einzelne Mensch in der Gesellschaft gilt nichts. Man glaubt an
diese Ungültigkeit des Menschen, und die Unwahrheit wird zur Existenzbasis,
mit Blick auf die gesamte Menschheit oder die menschliche Rasse; und in
gleicher Weise gilt ein Teil des Menschen nichts mit Blick auf den ganzen
Menschen. Man glaubt an die Ungültigkeit des Menschen, und die Unwahrheit als
Irrelevanz seines Tuns wird zur Existenzbasis, wo es einem um dieses
Sandkorn, d.h. um einen konkreten Menschen geht, den man z.B. einfach töten
kann, ohne daß dieses von Bedeutung wäre. Ein Mensch stiehlt in einem
Warenhaus, um sich zu spüren, um die Gültigkeit, die elitäre Macht und damit
die Legitimität des Ungültigseins zu realisieren. Nicht die Ungültigkeit
sondern nur der Anspruch auf Gültigkeit irgend eines Menschen oder einer
Aussage wird als Böse empfunden; die Wahrheit ist böse. "Wahrheit gibt
es nicht oder sie spielt keine Rolle mehr." Das Kaufhaus ist gegen den
Diebstahl versichert, der gestohlene Gegenstand ist also bezahlt. Der
soritistische Zirkelschluß ergibt sich am deutlichsten, wenn auch ebenfalls
vereinfacht durch den Vergleich mit dem Kreter, der behauptet, daß alle
Kreter lügen. Weit grundsätzlicher und lawinenartig wirken Sorites derart, wo
verkürzt definierte Begriffe aus der Fachsprache zu Argumenten in der
Normalsprache werden, wobei zugunsten der Zweckmäßigkeit eines Begriffes oder
einer Definition, nur das Funktionelle in der gewünschten Aussage gemeint und
alle Nebenbedeutung als Redundanz beiseite gelassen werden darf, und dieses
in der Normalsprache mit der Folge, daß der einzelne Begriff im Verhältnis zu
unserem Denken bereits eine Verkürzung in dem gleichen Sinne beinhaltet und
zwar als die Differenz zu denken, die zwischen der Aussage und dem, was wir
tatsächlich meinen, besteht, womit wir an den Fundamenten jeder Zivilisation,
ja des menschlichen Bewußtseins überhaupt gelangen, wenn wir Lehren und
Lernen, das Sprechen und Verstehen, die Weitergabe einer Information und die
Konditionierung des Informierten, den Befehl und das illokutive Befolgen nur
als Automatismus verstehen oder eben mißverstehen, den man beliebig wie die
Anweisung an eine Maschine durch einen Schalter oder Sensor benutzen kann,
wobei mit normalem Wahrheitsempfinden beurteilt das Gespräch zu einer reinen,
unverbindlichen Technik des Agierens und Reagierens wird. Hier wird dann
innerhalb von "Sepsy" solches automatistisches Verständnis aber
nicht wie in der Technik, wie auf der Gebrauchsanweisung, oder wie innerhalb
einer Ideologie, oder wie in der typisch "linken" Diktion einer
Sinngebung im Sinne von Zweckmäßigkeit, Gerechtigkeit oder im Sinne des
Ideals als Präzisierung angewand, so daß man von einem Sonderfall oder einer
Spezifikation sprechen kann, die derart innerhalb des Normalen einen
auffindbaren oder zugewiesenen Platz behält, wie wir z.B. die Begriffe
"real" und "irreal", "positiv" und "negativ"
in der Mathematik und Geometrie in besonderer und anderer Bedeutung benutzen,
als im Normalsprachigen, so daß der speziellen eine bestimmbare Definition
zugrunde liegt, sondern in "Sepsy" ist das Kriterium nur das
wurzellose Suchen nach Übereinstimmung und zwar aller mit allen ohne eine
Sinn- und Wertachse und damit natürlich auch ohne eigene Verantwortlichkeit.
Unvermeidlich gibt es bei "Sepsy" Strukturen, die wie Zielsetzung
oder wie eine bewußt durchdachte und betriebene Systematik aussehen und dort
auch so formuliert werden, die teils aus der Fallbewegung der triebhaften
Sinnlichkeit resultieren und teils aus der stereotypen Reaktion auf
Moralvorstellungen, die sie dabei verletzen und rein verbal nicht ignorieren
können und dann mit Argumenten rechtfertigen wie "Macht kaputt, was euch
kaputt macht." oder mit Thesen aus der "Chaosstheorie", daß
aus der Asche des Zerstörten nur etwas besseres entstehen könne.
In der Konsequenz würde ein bestimmter Grad von "Sepsyverseuchung"
das Funktionieren der Gesellschaft lahmlegen, in der, wie in einer Hölle,
jeder den anderen niederhält, und würde absehbar zu einem Chaos und
angesichts der bestehenden Gift- und Waffenlager zur Vernichtung der Menschen
und der Zivilisation führen. Keine Firma und keine Institution könnte
funktionieren und bestehen, wie sich jede von "Sepsy" verseuchte
Familie auflöst.
In den 60ger Jahren war die APO total sypsyverseucht, wodurch einerseits
diese jugendlich politische Bewegung der Selbstbesinnung ungeheuren Zulauf
erhielt, wodurch sich aber andererseits die gedanklich wertvollen positiven
Ansätze bis zur Unkenntlichkeit verdunkelten und für manchen ernsthaften
Menschen die APO wie die Ausgeburt der Hölle erschien. Längst notwendige
Experimente und Versuche, wie sie mit dem Instrument der Abstimmung zumindest
an den Hochschulen hätten gemacht werden können, eine längst notwendige
analytische Aufarbeitung der Nazivergangenheit und weitere noch immer
unbeantwortete aktuelle Themen der Soziologie wurden bereits im Ansatz von
Sepsy regelrecht erstickt.
In den 70er und 80ger Jahren trennten sich Rechts- wie Linksradikale aus
diesem Sumpf, und mich wunderte, daß sich der große Rest von
"Sepsy" nun ganz offen mit den alten, traditionellen Insignien der
Hölle umgab. Dieses war nun keinesfalls von irgend jemand ausgedacht,
organisiert oder befohlen worden, sondern ergab sich wohl aus der Natur der
Sache und wurde hier von den USA übernommen. Nicht nur, daß man sich mit dem
"Zunge zeigen" gegen Moral und Verbindlichkeit wie teuflische Schreckfiguren
an alten Domen gerierte, sondern es wurden okulte Praktiken Mode und gegen
andere Menschen angewandt; Frauen bezeichneten sich ganz bewußt als Hexen,
gründeten Hexenzirkel und Hexendörfer und versuchen von dort aus die Politik
zu bestimmen, und sie feiern jährlich ihren mehr oder weniger
ernstzunehmenden Hexensabbat; besonders in Italien wurde die direkte
Teufelsanbetung vereinzelt sogar mit Menschenopfern eine skandalöse Pest. In
Deutschland wird von 200 000 Anhängern dieses Teufelsanbeterkultes
gesprochen, die sich ausdrücklich zum Teufel bekennen, - und, obwohl sie nur
einem Teil von Sepsy ausmachen, zu diesem Konsens gehören. Der christliche
Glaube, die Familie, die Moral wird als Ursache allen Bösen bekämpft. Mich
wunderte, daß sich viele Theologen, selbst Professoren, selbst ein
Kirchenpräses von Sepsy angesprochen fühlten, mußte später aber beobachten,
daß jeder Mensch schließlich, wenn er zum Objekt einer Treibjagd wurde, zu
einem Sepsy wird, oder zerstört und getötet wird, - meist durch Selbstmord,
wenn er das Spiel nicht durchschaut, wobei gerade Pfarrer ein beliebtes Ziel
abgeben.
Damit nun meine knappe und verkürzte Beschreibung dieses Phänomens nicht
versehentlich ihrerseits zum Anlaß einer Art neuer Hexenverfolgung von
Sepsyjüngern wird, sei nur kurz noch über das Funktionieren von
"Sepsy" einiges gesagt. Keinesfalls hindert man man dieses
Phänomen, indem man "Sepsyjünger" tötet, verprügelt oder verfolgt.
Das wäre die teuflischste Reaktion. Selbst ein Mord durch Hexerei sollte
Sache des Gerichts bleiben, wenn die Justiz hier auch überfordert ist und
kaum eine Realität von konkreten Beweisen vorfinden würde.
Als Phänomen ist "Sepsy" nicht an bestimmten Personen festzumachen.
Kein Mensch ist ganz "Linker" oder ganz "Rechter" oder
ganz "Sepsy" oder ganz frei davon. Schon in der fundamentalen
Struktur der Ungültigkeit, steckt ja der Widerspruch bereits in der
Behauptung und dem Glauben, daß dieses stimme. Man sollte sich diese
Attribute eher vorstellen wie Denkkriterien. In einem bestimmten Fall denkt
ein "Sepsy" eben nicht selbst, sondern schaut herum, was andere
"Sepsys" denken und erwarten, wobei er in Bezug bestimmer Themen
geradezu paralysiert die Konsenshaltung einnimmt. Man ist dann in diesem
Punkt zombihaft loyal, und zwar mit der Überzeugung, einer übergeordneten
Notwendigkeit zu dienen. Man kann "Die Grünen" als Partei oder
Bewegung nicht als identisch mit "Sepsy" sehen. Aber es ist schade,
daß gerade die grüne Bewegung, durch die ja viele ökologische Probleme erst
allgemein bewußt gemacht wurden, durch ihre Sypsyverseuchtheit diese Probleme
geradezu auch kultiviert wobei "Sepsy" diese eher erhalten oder
vergrößern möchte als Lösungen zu suchen, ja Lösungen instinktiv mit aller
Macht zu verhindern sucht. So wie es Fälle gibt, wo Flüsse verseucht wurden,
um Verseuchung messen zu können, wo Gift ganz bewußt verschüttet wurde, um
die Vergiftung anklagen zu können, wo man ehrenwerten Männern auf Sexualität
eintränierte Kinder zuspielte, um diese Männer als Kindesverführer entlarfen
zu können, wo Frauen ganz geziehlt Manner verführen, oder wo Männer ganz
geziehlt Frauen verführen, um dem Ehepartner die Untreue und den Unwert der
Familie beweisen zu können, - u.a.m..
In den USA, wo man in dieser Entwicklung und der entsprechenden Beobachtung
etwa 15 Jahre weiter ist als wir, laufen bereits ganze Filmserien, in denen
eine Apokalypse gezeigt wird, wie sich eine kleine zivilisierte Minderheit
hinter hohen Betonmauern einschanzt, während in der Stadt und auf der Straße
die Gesetzlosigkeit von "Sepsy" und Chaos regiert, wo alle
Fabriken, Wohnungen und Straßen und Verkehrseinrichtungen zerstört sind, wo
ohne Polizei, Gesetz, Schule oder irgendwelche Ordnungen jeder sich gegen
jeden selbst behaupten, verteidigen und durchschlagen muß, wenn er sich nicht
in Schutz und Abhängigkeit von irgendwelchen archaischen Banden und deren
Bandenführer begibt.
Für das doch recht ordentliche und verhältnismäßig zivilisiert
funktionierende Europa scheinen solche Schreckensvisionen absurd und Produkt
panischer Phantasie. Sie liegen dennoch in der Konsequenz dieses sehr realen
Phänomens. Haß auf Staat, Ordnung, Besitz, Moral, Glaube, Familie und
Wohlstand führt in sehr vielen konkreten Fällen zu Gewalt und Vandalismus,
ohne daß man dabei nur von einem Delikt der Bereicherung der Armen auf Kosten
der Reichen sprechen könnte. Es ist in der Tat auch in Europa bereits im
Ansatz zu beobachten, daß zunehmend einfache Bewohner, also auch Arbeiter und
Angestellte ihre private Schutzpolizei organisieren und einen beträchtlichen
Aufwand für den Schutz ihrer Privatsphäre mit Gittern, Schutzmauern, Hunden,
Waffen, elektrischen Sicherungsanlagen u.s.w. für nötig halten.
Es ist an der Zeit, daß diese Unsitte - im wahrsten Sinne des Wortes - ein
Ende nimmt. Ein Christ und auch ein gläubiger Moslem darf "Sepsy"
nicht bejahen, weil er damit zugleich alles Unrecht bis zum Mord im Namen von
Sepsy tolleriert, und das sind viele Tausende, und dieses zumindest vor sich
selbst und vor Gott mit zu verantworten hat.
Die positive Position von "Links".
Zum einen ist es angesichts dieser Entgleisungen um so wichtiger, die
positiven Ziele der Parteien und in ihnen die der gesellschaftlichen Anliegen
und Kräfte zu artikulieren und zu verdeutlichen, zum anderen führt, wo sich
beide Seiten nur als Bastion gegen die Schwächen der Gegenseite de-finieren,
zu einer übermäßigen Akzentuierung der Schwächen der politischen Landschaft
und zu einer Politikverdrossenheit, wodurch die positiven Aspekte der
Parteien und der ganzen demokratischen Struktur nicht nur verdeckt, sondern
auch er-schwert und geradezu erstickt werden. Auch oder gerade die
"Grünen", die sich in der Mehrheit als ökologische Linke verstehen,
sollten sich klar von "Sepsy" und von den nur negativen Aspekten
des "rechten" wie "linken" Absolutismus' alter und
überholter Nomenklatur trennen.
Die linke Position hat sicher in ihrem Anspruch als Wächter für die soziale
Gerechtigkeit weiterhin eine ewige und unverzichtbare und alle Facetten des
gesellschaftlichen Lebens durchdringene Auf-gabe, wozu heute auch das Recht
auf saubere Luft und saubereNahrung gehört, was sie mit der
"Linken" aller anderen Länder der Welt verbindet. Dieser einfache
Nenner materieller Gerechtigkeit ist aber gerade wegen der einseitig
materiell gedachten Maßstäbe etwa als Klassenkampf gegen die Kapitaleigner
eben auch problematisch, insofern, als einerseits der ideelle,
transzendentale ethische Hintergrund eben nicht materiell ist und als
allgemeiner Wert wie selbst-verständlich vorausgesetzt wird, andererseits
aber zu der mehr ethischen Argumentation der "Rechten" in
Opposition stehen zu müssen glaubt, die in ihrer alten traditionellen
Struktur weniger von Geld spracht, weil sie es hatte, als von Werten,
Traditionen und Moral, von Treue, Zuverläs-sigkeit, Glaubwürdigkeit und
Wahrheit, also mehr transzendentale oder abstrakte Werte vertrat und
Veränderungen der Privilegien fürchtete.
In der traditionellen "Linken" des vorigen Jahrhunderts und der
Vorkriegszeit konkretisierten sich linke Ideale in Form von Bildung,
Aufklärung, Reformfreudigkeit, Solidarität, gegenseitige Hilfe und
Freundschaft. In abgelegenen italienischen und spanischen Dörfern erkannte
man noch vor einigen Jahrzehnten einen "Linken" daran, daß er
Bücher hatte, und zur oft dumpf-proviziellen Dorfgemeinschaft eine angenehme
intellektuelle Überlegenheit und allgemeine Hilfsbereitschaft ausstrahlte,
und dabei einerseits für alle technischen und gesellschaftlichen Reformen
offen war, andererseits aber in ähnlicher Provinzialität jeden Kirch-gänger
als dumm und jeden kleinen Fleischer- und Bäckerladen bereits als Feind und
Ausbeuter der Gesellschaft ansah.
Unreflektiert oder sogar gänzlich unverstanden von der heutigen
"Linken" ist dabei eben der Um-stand, daß und warum sich bestimmte
Menschen, - auch eben Arbeiter, - in dem von den Gedan-ken der Aufklärung
bestimmten weltanschaulichen Kontext der traditionellen "Linken"
auf diesem einfachen materiellen Nenner nicht "heimisch" fühlen
können und deswegen oft scheinbar gegen ihre eigentlichen persönlichen,
materiellen Interessen irgend eine andere Gemeinschaft suchen und dabei deren
jeweilige Argumente übernehmen und vertreten.
Dieser rein ökonomische Aspekt führte zu einer fundamentalen Verlegenheit der
intellektuellen Linken, die sich besonders in Deutschland fatal auswirkte und
heute ebenso einer klaren, deutli-cheren Antwort und Definition bedarf wie
nicht anders die "rechte" oder liberale Gegenposition.
Mit der Befriedung der elementaren materiellen Bedürfnisse wie Wohnung,
Ernährung, medizinische Versorgung, soziale Absicherung und Bildung u.s.w.
und der damit verbundenen stärkeren Kaufkraft, stärkte sich eben dadurch in
gleicher Weise der "Klassenfeind" zumindest im kapitalistischen
Westen, nämlich Industrie und Unternehmertum, während im sozialistischen
Osten einerseits die staatlich organisierte Güterproduktion die Nachfrage
nicht befriedigen konnte, wurde in der Linken beider Seiten andererseits aber
ein tiefer liegendes Bedürfnis deutlich, das man als das eigentliche
Grundbedürfnis des Menschen formulieren müßte, eben als das, wozu ich leben,
wozu ich satt, gesund und versorgt sein will.
Selbst wenn man eine gerechte Verteilung auch von immateriellen Werten, wie
Macht, Rechten, Pflichten und Möglichkeiten auch weiterhin fordern, erkämpfen
und organisieren muß, kann eben darin nicht auch der Sinn des Lebens etwa als
Sinnvorgabe enthalten sein, den ein jeder sich selbsr suchen können muß. Das
aus der Romantik stammende Argument, daß damit eben die Voraussetzung zu
einer kulturell gestalteten Freizeit begönne, in der man nun folkloristisch
sich und die eigene Tradition besingt, erwies sich im Kon-zept der
Nationalsozialisten aber auch im organisierten Kulturbetrieb des Ostens als
ein verkrampfter, das viel grundsätzlichere Bedürfnis des Menschen
ignorierender Rationalismus, der die Frage nach einem Sinne des Ganzen
eigentlich negativ beantworten muß, wo er auch darin in Opposition zur
"Rechten" bleiben will. Die Produkte der Freiheit wie Freude,
Ideen, Ideale, Wünsche, Streben, Lust, Weisheit, Erkenntnisse und was auch
immer, sind nicht organisierbar und zuteilbar und gerieten überall in einen
Widerspruch zum organisierten Kulturbetrieb. So schwierig es ist, das
Grundbedürfnis des Menschen aus "linker" Sicht zu formulieren, das
auch solcher immateriellen Tätigkeit noch zugrunde liegt, so muß doch das
Wissen um ein solches und auch die Bejahung des Unorganisierbaren einer
modernen "linken" Zielsetzung in gleicher Propor-tionalität
zugrunde liegen, wenn man nicht wiederum zur Ideologie oder absolutistischen und
eben mensch- und freiheitsfeindlichen Doktrin werden will; und dieses eben
nicht als Selbstbeschränkung und nicht als die Relativierung der
"linken" Position, sondern als die eigentliche Qualität. In der
täglichlichen Praxis bisheriger Sozialdemokratie regelt sich solche
Libe-ralität, wenn auch undurchdacht, von selbst, und zwar durch den Umstand,
daß ein Genosse eben nur bei den Wahlen oder nur in der Freizeit oder nur mit
einem Teil seines Denkens "links" ist; und dieses auch dann, wenn
er im Auftrag der Partei hauptberuflich Politik macht. Mit einfachen Worten:
Auch in der SPD wird nur mit Wasser gekocht, - wodurch sich allerdings
Widersprüche zu den alten Parteiformeln und Vorstellungen ergeben und sich
damit die zunehmende mangelnde Glaubwürdigkeit erklärt.
Handel und Wandel und auch jede kulturelle Erscheinung ist eben nicht das
Bedürfnis selbst, weswegen man leben will. Hier würde sonst in der Tat der
Wohlstand oder ein Parteiprogramm zum Götzen oder zur Religion. Wenn z.B. ein
Mensch wie Honnecker die Wende als ein Akt der Undankbarkeit empfinden mag,
ich weiß nicht, ob es er so empfindet, dann hätte er übersehen, daß sich der
Mensch aus diesem noch näher zu formulierenden tieferen Grundbedürfnis heraus
nicht freiwillig an das Kreuz einer Sinnvorgabe gleich welcher Art von
Doktrin heften lassen will. Die Wende ist eben nicht Verrat und ist nicht
eine von dem reicheren Westen abgekaufte Loyali-tät, wie es viele beleidigte
Linke des Westens in den ersten Tagen der Wende darstellten, - als habe man
die DDR-Bürger mit Bananen aus dem Paradies gelockt. In gleicher Weise ist
der Verlust einer freien Wahl im Wesen nicht undankbarer Verrat der Wähler
mit dem Ergebnis des Verlustes an Loyalität.
Natürlich gibt es Loyalität sowohl auf der "linken" wie auf der
"rechten" Seite des Parteienspek-trums, die durch Wahlen, durch
Vertrag oder Versprechen zustande kommt. Sonst könnte keine Partei und in der
Industrie auch keine Firma bestehen.
Ebenfalls gibt es diese gefühls- oder sogar mentalbestimmte Bereitschaft zur
Loyalität natürlich auf beiden Seiten und gegeneinander und verführt zur
Kritikdämpfung oder -aufgabe gegenüber den Argumenten der eigenen Seite, zu
der man sich geschlagen hat. Und diese Loyalität verbunden mit rein
rhetorischer Abwehr jeder Kritik verführt zur gedanklichen und sprachlichen
Stagnation, so daß z.B. Gewerkschaften und sozialdemokratische Verbände eben
noch immer loyal im Geiste der cartesianischen Aufklärung in einem naiven,
seit hundert Jahren überholten platten materialisti-schen Empirismus argumentieren.
Dieses Phänomen kann hier natürlich nicht bewiesen und ausge-führt werden und
bedürfte einer größeren demoskopischen Aktion..
Die positive "rechte" Position.
Paradoxer Weise hat es die doch eigentlich siegreiche "Rechte" seit
der Wende schwerer, ihre positive Position zu artikulieren und sich damit
nicht nur von den "Rechtsextremen" zu distanzieren und diese auf
den Boden der Vernunft zurückzuführen, sondern sich gegen die unvermeidlich
ins Haus stehende "Linksrenaissance" zu behaupten. (In absehbarer
Zeit werden die einst müden und abgedroschenen Formeln und Parolen der einst
östlichen Linken wie die pure Wahrheit erscheinen, und zwar nicht nur, weil
man diese von kleinauf gelernt hat, sondern weil sie sich dann auch leicht
als einfache Antwort auf alle Probleme anbieten.)
Die durch den "kalten Krieg" international formierte
"kapitalistisch" denkende "Rechte" der westli-chen Welt
bedarf gerade in ihrer neuen Rolle als Vorbild für den Osten und besonders
für die dortigen neuen Rechtsparteien, sowohl, wie auch als Weltpolizei oder
Fundament einer neuen Weltordnung einer deutlicheren Selbstdefinition, die ja
in der Praxis des wirtschaftlichen Denkens nicht nur das, was die Linke
gerecht zu verteilen trachtet, immer erst auf die Beine bringen muß, - und
dieses bezieht sich nicht nur auf Geld und wirtschaft-liche Macht, sondern
nicht weniger auf das Know-How und den Willen einer vernünftigen und
ökologisch verantwortbaren Anwendung der Möglichkeiten und hinter allem, auf
persönlichen Mut und privater Initiative und Einfallsreichtum, was wohl
schwerlich organisierbar oder zu verteilen und zu verordnen ist.
Die Geschichtsschreibung wird normaler Weise das Entstehen einer
"Linken" als Reaktion auf die Ungerechtigkeiten und die
menschenverachtende Willkür alter aristokratischer und kapitalistischer
Systeme darstellen, wobei die "Rechten" und Konservativen mit Hilfe
kirchlicher Indoktrination die alte Ordnung mit den jeweiligen Privilegien zu
verteidigen versuchte. Hier zeigt sich die Proble-matik einer Gleichsetzung
deskriptiver wenn vielleicht auch durchaus richtiger chronologischer
Darstellung mit der Logik des Geschehens selbst in ihrer ganzen Tiefe und
Vielschichtigkeit, auf die bereits vor 250 Jahren der englische Philosoph
David Humes eindringlichst aufmerksam machte und damit Kant zu seiner
"Kritik der reinen Vernunft" inspirierte (siehe Prolegomena A 49),
deren ganze Konsequenz aber erst in unserem Jahrhundert sowohl in der Physik
wie auch weltanschaulich zutage trat. Die Fragwürdigkeit solcher monokausalen
epagogischen Denkart läßt sich leicht an dem einfachen sachlich richtigen
Satz verdeutlichen: "Weil ich den Stein los lasse, fällt er zu
Boden.", - als wenn erst durch mein Loslassen die Kraft der Erdanziehung
eingeschaltet würde.
So ist auch der Sieg westlicher, also "rechter" Wirtschaftsform in
dem Ost-West-Konflikt sowie die in etwa ausgewogene, gleichstarke und je nach
Wahlausgang überwiegende "rechte" Wähler-schaft, die ja wohl
eindeutig nicht in solcher Zahl zu den Priveligierten gehört, kaum so zu
verste-hen, als sei dieser ein Produkt indoktrinierter Dummheit oder
gekaufter Loyalität, und damit eine Entscheidung der Mehrheit gegen ihre
eigenen Interessen.
Ohne Zweifel aber sind die jeweiligen Argumente der "Rechten" gegen
"linke" Ziele oft gekenn-zeichnet von einem konservativen
Festhalten an bestehenden Ordnungen und Verhältnissen, aber sie bezeichnen
auch ganz offensichtlich zumindest seit den ersten modernen Parteibildungen
1789 in den USA nach der amerikanischen Revolution, eben auch das allgemeine
Recht auf Erwerb von Eigentum und Privilegien und zwar für jeden, womit ein
ganz anderes grundsätzlicheres Verständnis von gerechter Güterverteilung
konstituiert wurde, als der Argumentation der "Linken" zugrunde
liegt.
Hierbei erscheinen nun die jeweils aktuellen Forderungen, Ziele und Parolen
besonders in den späteren europäischen "rechten" Parteien als
zeitbedingte zufällige Attribute, denen ein anderes als "links"
verstandenes aber eben das gleiche Grundbedürfnis des Menschen zugrunde
liegt. Dieses ist nun keinesfalls nur ein umständlicher Versuch, das
konservative und scheinbar grundsätzlich rückschrittliche, reform-feindliche
Denken der Rechten zu beschönigen und zu rechtfertigen.
Das obige Beispiel mit dem Stein kann dieses wiederum verdeutlichen. Die
jeweilige "aktuelle" Ursache als menschliches Attribut des
Hinunterfallens auf Grund der Erdanziehung als dem Grundbedürfnis, kann das
Loslassen sein, aber in einem anderen Fall auch ein
"Hinunterstoßen", "Werfen", "Rollen",
"Kippen" u.s.w., und ist also ein mehr zufälliges, von der
jeweiligen Aktualität bestimmtes Argument. Derart muß eine moderne Definition
der "Rechten" heute das allen alten und neuen "rechten"
Attributen zugrunde liegende Grundbedürfnis des Menschen deutlich machen.
Auch Eigentum und Privilegien sind hierbei nur zwar aktuelle aber eben
sekundäre Attri-bute. Es ist ja keinesfalls so, wie bereits deutlich wird,
daß das "rechte" Anliegen nur reaktiv ein Verweigern linker
Forderungen darstellt, sondern in sich ein aktives, positives Bedürfnis
vertritt, daß nun spätestens hier einer genaueren Definition bedarf. Gemeint
ist das Bedürfnis nach Gültig-keit (Validity) des Menschen in seiner Existenz
und seinem Denken oder Erkennen, dem in solcher Grundsätzlichkeit als
"linke" Kontraposition die eher unpersönliche oder überpersönliche
Fiktion der Richtigkeit oder Gerechtigkeit aber eben nicht disjunktiv
gegenübersteht. Hierbei ist die eigene Gültigkeit vor anderen Menschen, d.h.
das Gültigsein in den Augen der anderen Menschen als Anliegen natürlich immer
sofort gegenwärtig, aber ebenfalls nur als sekundäres, wenn auch als das
vielleicht privateste Attribut, dem das Bedürfnis nach Gültigkeit vor sich
selbst immer noch als ein existenzielles zugrundeliegt, das man als urrechter
sozialer Aspekt auch dem anderen Menschen zuer-kennt, aber eben als dem
Anliegen oder der Sache und Angelegenheit des anderen.
Hier sind in der Tat von beiden Seiten genauere und vor allen Dingen
deutlichere Überlegungen notwendig, als wie sie im vorigen Jahrhundert für
"Linke" und "Rechte" angestellt wurden oder überhaupt
auch nur möglich waren, und zwar mit dreierlei Perspektiven, wie ich sie im
Folgenden nur kurz und in für mich selbst noch erschreckender Undeutlichkeit
skizzieren kann, die alle über die berechenbare oder empirisch faßbare,
biologisch-physische Existenz als erster Dimension (1.) in die soziale und
damit ethisch und transzendental-gedanklichen Existenz als zweiter (2.) und
der weltanschaulich-religiösen als dritter Dimension (3.) in eine moderne Erkenntnis-
und Handlungstheorie einmünden, was wir unten genauer ausführen werden.
Letzteres heißt, wie ich den Menschen in seiner Existenz sehe. Nach der
Kantschen Formulierung "continens est contentum" in der Bedeutung
von "Ich bin in mir." ist dieses keinesfalls eine dialektische
Zweiseitigkeit, sondern eine Frage des Entschlusses oder der aktuellen
Problematik, ob ich als Priorität den Leib und seine Bedürfnisse als
Vorbedingung oder Voraussetzung oder als das Gefäß für die mehr abstrakten
und mitunter sekundären geistigen, kulturellen oder seelischen Belange in den
Fordergrund stelle, oder ob ich umgekehrt als Priorität die Werte wie
Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde vertrete.
In dieser Leib-Seele-Diskussion kann man nach dem Lernprozess unseres
Jahrhunderts sich eben nicht mehr mit den alten Parolen definieren.
Natürlich verband sich in der Vergangenheit der Gültigkeitsanspruch
individueller Freiheit, individueller Weisheit mit vielen methaphysischen,
egoistischen und elitären Spekulationen. Natürlich gab es auf der
"rechten" Seite die mit viel spekulativer Metaphysik untermauerten
Argumente weiser Leute, daß man Arbeiter, Bauern und Frauen, daß man Sklawen
und kolonisierte Völkern vor Bildung, Wohlstand und Wahlrecht bewahren müsse,
um sie nicht aufmüpfig und unzufrieden zu machen. Gelernt haben wir, daß der
Absolutismus und damit das Böse solcher Weisheit damit beginnt, wenn sie mit
dem Anspruch auf eigene Gültigkeit die Ungültigkeit der Weisheit anderer
Menschen, eben die der Bauern, Arbeiter, Frauen und Sklawen verbindet. Die
Erkenntnis selbst ist ja richtig und folgerichtig: In der Tat wurden
Arbeiter, Bauern, Frauen, Sklawen und kolonisierte Völker durch zunehmende
Bildung aufmüpfig und mit ihrer Situation unzufrieden
Natürlich erklärte die traditionelle "Linke" aber solcherlei
Weisheit nun prinzipiell zum ungültigen bürgerlichen Subjektivismus, die
nicht nur böse trotz Richtigkeit sein kann, sondern sich zusätzlich auch noch
irren kann; "Links" entdeckte und bewies hinter dieser subjektiven,
bürgerlichen Weisheit und den bürgerlichen Bedürfnissen und Eigenarten die
kaum bestreitbaren Egoismen und wies darin mit den damals neuen
wissenschaftlichen Aspekten und Kriterien der Soziologie die
Unterdrückungsmechanismen der alten Machtstrukturen nach und folgerte
allgemein, daß darin die Ursache allen Übels und aller Ungerechtigkeit
überhaupt liege, und erklärte mit cartesianischem Absolutismus und Optimus
die Wissenschaft als die einzige, gültige Denkweise. Gewissermaßen galten ja
damit wissenschaftliche Kriterien als die Wegweiser zur Erlösung nicht nur
von Irrtum und Unwissenheit, sondern auch von dem Bösen.
Der Absolutismus und damit das Böse dieser "linken"
Wissenschaftlichkeit, mochte die wissenschaftliche Aussage nun auch richtig sein
oder nicht, zeigte sich da jedoch in gleicher Weise, wo nun mit der
Gültigkeit der objektiven wissenschaftlichen Ideologie die Weisheit des
Einzelmenschen insgesamt als ungültig angesehen oder erklärt wurde.
Von der Logik her und in der Sache des Arbeitskampfes hatte natürlich Marx
recht, wenn er hinter den Argumenten der "rechten" Aristokratie,
des Bürgertums und der Kapitaleigner gegen den Sizialismus handfeste Egoismen
und Eigeninteressen sah, die oft mit Vorwänden, List und Gewalt ihre Privilegien
verteigten, und denen man sie nur mit Gewalt abzwingen konnte, wobei gerade
seine Berufung auf absolute Wissenschaftlichkeit zugleich die latente
Entmündigung auch derjenigen implizierte, für deren Rechte er kämpfte.
Gelernt haben wir seitdem, daß das Recht auf private Weisheit, um bei diesem
Attribut zu bleiben, und auch das Recht auf Denkfehler und auf alle
methaphysischen und esoterischen Ansichten nicht nur die Voraussetzung dafür
ist, Richtiges oder
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What about Germany, Teil
4
unwahrhaftig
und letztendlich unmöglich, und je mehr solches offenbar und ausgesprochen
wird, wird die Wahrheit zu einer Gefahr für die bestehende Ordnung, woraus
sich schließlich der un-vermeidliche Untergang der großen Kulturen und
Religionen des Altertums ganz einfach erklären läßt und woraus immer auch die
einst chaotischen Veränderungen, Revolutionen und Unwägbar-keiten drohten,
weil dieses ja nichts anderes heißt, als daß damit Gültigkeiten ungültig
werden, was aber innerhalb einer Demokratie eben nur Veränderung, Entwicklung
oder eben nur Wechsel der Regierung bedeutet. Und es ist eben der gesunde,
redliche seiner selbst sichere, kompetente Men-schenverstand, der dieses
Urteil fällt und der eben in der Breite aller Ereignisse der menschlichen
Wirklichkeit durch keine Wissenschaft, durch keine einfach logische,
ökonomische, ideologische oder theologische Theorie oder Formel erfaßbar und
damit auch nicht ersetzbar ist.
Und wenn wir von der rechten" Position aus unsere Tradition verteidigen
und wie in einer politi-schen Partei nicht anders möglich von dem
theologischen Aspekt des Christentums absehen und das rein soziologisch und
ethisch verstandene christliche Menschenbild vor Augen stellen, ist uns mit
dem abrahamäischen Glauben ja nicht nur eine mögliche Rückbesinnung auf das
alte gemein-same europäische Geschichtsfundament bis zu Karl dem Großen vor
Augen, (und solches aber eben nicht als provinzialistische Bastion und
Ab-grenzung gegen andere Kulturen und Völker und eben nicht als Reproduktion
einer Vergangenheit), sondern spätestens in der 2. Hälfte unseres
Jahrhun-derts kristallisierte sich als das tiefere und weltanschaulich
fundamentale, sich auf den christlichen Glauben stützende positive Argument
der "Rechten" heraus, eben als das Recht, die Würde und die Gültigkeit
des einzelnen Menschen mit seinem Glauben, - und dieses eben als ein
international bestehendes Anlie-gen, das im christlichen Verständnis immer
auch für den anderen, für den Mitmenschen gilt, der dieses selbst zu
verantworten hat, und das eben nicht nur für die eigene Person, Nation oder
Rasse gilt.
In solchem sozialen Verhalten können wir Abraham, sei er nun als historische
Figur oder mehr als Umschreibung einer Botschaft verstanden, als der
eigentliche Beginn des Christentums und auch der neuen Zeit verstehen, wenn
wir ihn vergleichsweise im Verhältnis zu den Allgemeingültigkeiten seiner
Zeit sehen und zwar, noch bevor wir von seinem Gott sprechen. Ein einzelner
Mensch zwi-schen den Kulturen des Euphrats und Nils mit ihren religiösen
Absolutismen entscheidet und ur-teilt nach seinem ganz privaten Glauben, und
er ist sicher, daß ein solcher Glaube größere Gültig-keiten hat, als alle
mächtigen und mit Traditionen, Götterbildern, Monumentalbauten, Macht- und
Staatsapparaten, Militär- und Priesterwesen gestützten Allgemeingültigkeiten
und Religionen der damaligen Welt. In dem Anliegen der "Rechten"
ist ja genau dieses die Botschaft, deren Realisation im Menschen eben nicht
erzwungen, befohlen, organisiert oder institutionalisiert werden kann.
Abraham ist also nicht der Prototyp eines Revolutionärs, eines
Wissenschaftlers mit beweisenden Argumenten, und er ist auch kein Reformer,
kein Ideologe, sondern er beansprucht nur für sich selbst die Gültigkeit
seines privaten Glaubens und zwar gegen jeden anderen möglichen Anspruch, der
von Menschen kommen könnte.
Die Abrahamäische Disposition.
Um in diesem Sinne den ganz soziologisch verstandenen Abrahamäischen Glauben
zu verdeutlichen, ist es zweckmäßig, die vergangenen 8000 Jahre der
Menschheit unter diesem Ge-sichtspunkt im Zeitraffer zu sehen: Etwa 6000
v.Chr. werden Bedeutungen und Gültigkeiten in Clans- und Machtbereichen, in
Sprache, Religion, Handwerk fast gänzlich von den festen und größer werdenden
Ansiedlungen als Sozialgemeinschaften bestimmt. Etwa 3000 v.Chr. haben diese
durch Schrift, Lehre und Tradition bereits höhere Gültigkeit, als das
Individuum und selbst als die jeweils Herrschenden und wurden von Kriterien
und Mächten außerhalb des Menschen also durch Götter, Geister, Ahnen u.s.w.
begründet. Die faktische Begründung im Sinne allge-meingültiger
Religionsformen war allerdings sehr menschlichen Ursprungs und resultierte
aus metaphysischen Projektionen und Spekulationen. Allgemeingültigkeiten
waren gültiger als der einzelne Mensch. Der Mensch war damit in seinem Urteil
ent-mündigt und fremdbestimmt, d.h. Urteile wurden aus der Umwelt des
Menschen, also aus dem Erfahrungsbereich des Menschen abgeleitet. Etwa 2000
bis 1000 v.Chr. entstehen in Asien die Techniken der Meditation, mit der sich
der Mensch durch Eigenleistung der Fremdbestimmung je nach Interpretation
entzieht oder noch weiter und gänzlich ausliefert. Zwischen Ägypten und
Mesopotamien trennt sich etwa zur gleichen Zeit Abraham von den Gültigkeiten
aller Religionen, was dann durch Moses etwa 1000 v.Chr. durch eine
Gesetzgebung bewußt institutionalisiert wurde und quasi als Gegenreligion
oder Antireligion die Form einer eigenen Religion bekam, deren Hülle Jesus zu
Beginn der neuen Zeit-rechnung mit eigener Kompetenz und Verantwortung wieder
sowohl auf den Ursprung menschlicher Gültigkeit zurückführte und damit das
Mosaische Anliegen erfüllte, als auch nun mit dem Postulat des freien
persönlichen Glaubens jedem Menschen zugänglich machte. Natürlich kann man
weder bei Abraham noch bei Jesus und auch nicht bei Christen von einer reinen
Eigen-leistung und Selbstbestimmung im Sinne einer Selbsterlösung sprechen,
bestenfalls von Gehorsam gegenüber einem persönlich erfahrenen und persönlich
verstandenen aber realen Gott. In diesem Gott besteht allerdings das Wissen
um Wahrheit und Gerechtigkeit, das jeden Gedanken des Men-schen umfaßt, d.h.
auch seine nichtempirische Wirklichkeit und eben nicht nur als die von
menschlicher Intersubjektivität abhängigen Objektivität. Wo Paulus mit der
christlichen Botschaft einen Menschen zum Glauben führte, erkannte dieser
neue Christ zu allererst die Differenz der alten Gültigkeiten zur Wahrheit
als persönliche Einsicht und persönliche Schuld und persönliches
Verlorensein. Dieses wird an mehreren Stellen immer in gleicher Weise
berichtet, wie auch bei Begegnungen von Menschen mit Jesus selbst. Man
erkennt dort die Unrichtigkeit der Gültigkeiten und Allgemeingültigkeiten und
sein eigenes Verhältnis dazu nicht nur als persönlichen Irrtum, son-dern als
eigene Unwahrhaf-tigkeit, die man zu verantworten hat. Nichts anderes ist mit
der Buße gemeint. Das Wesentliche daran, auf das ich hier aufmerksam machen
muß, ist das Erlebnis der plötzlichen eigenen individuellen Kompetenz zu
einem solchen Urteil. Von diesem Erlebnis läßt sich Pfingsten auch
psychologisch verstehen, dessen Überzeugungskraft eben nicht von einer
sorg-fältigen logischen Analyse der Reden Jesu mit Beweisen, sondern nur
verständlich ist von der offenbaren und für jeden erkennbaren Sicherheit der
eigenen Gültigkeit der Sprechenden, deren Glauben dadurch auch für andere
glaubwürdig wurde. Die Beweisführungen selbst, sowie sie im neuen Testament
wiedergegeben werden, sind eher dünn und erklären kaum allein die schnelle
Verbreitung des Christentums, durch das sich das Zusam-menleben der Menschen
nun grundlegend veränderte.
In heutiger Zeit ist die Bekehrung zum Christen-tum zwar immer noch ein
Erlebnis, als würde man als ein neuer Mensch die Welt zum ersten Mal
erblicken, aber es ist nicht mehr derart weltbewe-gend, weil sich die Welt in
der vergangenen 2000 Jahren bereits in diesem Sinne bewegt hat. Als reiner
Sozialisationseffekt aber bedeutet dieses in der weitgehend ungläubigen
christlichen Welt, daß die Gültigkeit und Verantwortung des Menschen eben
nicht abhängig davon ist oder gemacht werden muß, ob jemand diesen Gott
akzeptiert.
Wir sollten genauer beobachten, warum auch Menschen anderer Religionen und
Kulturen und besonders Jün-gere zu uns kommen, denn sie tun es nicht allein
aus ökonomischen Gründen, son-dern um in den Bereich der Gültigkeit
menschlichen Denkens überhaupt zu gelangen. Dieses ist ein ganz unreligiöser
und weltanschaulichfreier Grund und genau der Aspekt, der jenseits jeder
theologischen Aussage ein Grundbedürfnis des Menschen ist und ohne unser Verdienst
dem christlichen Glauben zugrundeliegt. Dieses Anziehende bedeutet eben nicht
nur, daß hier gültige Wissenschaft und Technologie besteht. Und dieses
bedeutet auch nicht, daß Zuwanderer hier irgendwelche richtigen Gedanken oder
die rechte Religion vorzufinden und zu übernehmen dächten. Es ist ja im
Gegenteil so, daß viele die Verkommenheit und Härte der
Wohlstandsgesell-schaft sehr kritisch se-hen und eben nicht mitmachen und
dieses eben verweigern können und im Gegenteil oft erst hier die Möglichkeit
sehen und finden, ihre eigene oft ganz andere Kultur zu leben bzw. in die
Waag-schale der freien Diskussion zu stellen. Dieses ist der anziehende Glanz
Amerikas und des neuen westlichen Europas und dieses ist die längst überall
verstandene Botschaft des Westens und der neuen Zeit, in der die Aufklärung,
in der Wissenschaft, Technik, Zivilisation entstehen konnte und gerade
deshalb hier ihren Platz hat und behält. Nehmen wir Galilei und Einstein, die
wir sicher beide als "Linke" einordnen dürfen, die für ihre Thesen
zuerst trotz aller Beweise ja ebenfalls den persönlichen Mut und Glauben
brauchten, um ihre Gedanken, die in Widerspruch standen zu allen Gültigkeiten
ihrer Zeit, auch nur denken zu können. Bei beiden sehen wir, was die
"Linke" selbst bei ihrer dringendsten Aussage immer schon
voraussetzt und dabei leicht übersieht, um was es der "Rechten"
erst geht, um den Anspruch auf Gültigkeit auch des Beweisenden.
Statt also derart kindisch über Besucher anderer Völker und Kulturen zu
erschrecken, sollten und können wir zuerst einmal stolz darauf sein, von
jenen derart hoch eingeschätzt zu werden.
Aber, wenn ich von dem anziehenden Glanz westeuropäischen Lebens gesprochen
hatte, ist davon natürlich nicht der materielle Wohlstand aller, die harte
Währung, das garantierte Mindest-einkommen, die Altersversorgung,
Krankenversicherung, Sozialfürsorge, Bildung, Meinungs-freiheit d.h. ein
bestimmter Standard sozialer Gerechtigkeit zu trennen, also einem Produkt der
harten Kämpfe der Gewerkschaften und "linken" Parteien. Wenn man
auch nachweisen kann, daß solche Strukturen auf christlichem Boden gewachsen
und in der Form von Wohltätigkeit in der Armen-, Kranken-, Alten-,
Waisenpflege, der Schulen u.s.w. von der Kirche und den Klöstern begonnen
wurden, dem ja die ganz und gar nicht selbstverständliche und natürliche
Vorstellung zu-grunde liegt, daß die Gemeinschaft den Ärmsten, Kranken und
Waisen zu helfen habe, einer All-gemeingültigkeit, die nur auf der langen
Arbeit der Kirchen gründet, würde die "Linke" trotz-dem zurecht
antworten, daß solche einstmaligen Almosen erst durch ihren Kampf zum einem
insti-tutionalisierten Bürgerrecht wurden.
Hier benötigt die "rechte" Position einer Demokratie, die weiterhin
als solche "Links-Rechts"-Struktur gedacht wird, - wie es allerdings
nicht sein muß -, neben der obigen plausiblen Argumen-tation eine noch
grundsätzlichere Definition ihrer Position. Die Unterschiedlichkeit liegt ja
darin, daß die einst klösterliche Tätigkeit im Konzept, in der Absicht vom
Gebenden und Handelnden ausgeht und als Aufforderung an den Christen ja
bestehen bleibt, während die Institution des Sozialamtes als ein Recht des
Empfängers vom Empfangenden her konzipiert ist, so daß wir hier nicht ein
gegensätzliches oder sogar gegeneinander gerichtetes Verhalten haben, sondern
zwei unterschiedliche Akte und Anliegen, wie man etwa "Sprechen"
und das Recht "verstehen zu können", oder "Lehre" und das
Recht "lernen zu können" unterscheiden würde.
Der unterschiedliche Denkansatz und das unterschiedliche Anliegen der typisch
"linken" und typisch "rechten" Argumente, die sich ja
nicht darin unterscheiden, daß der eine den Armen helfen will und der andere
nicht, liegt vielmehr in dem Vorgang der Attribution im menschlichen
Erkennen, wenn aus einer Regelmäßigkeit im freiwilligen, individuellen
Verhalten von Subjekten eine Regel, und dann aus der Regel ein Gesetz wird,
das dann zwar positiv z.B. gesellschaftliche Hilfe zu einem Recht macht, aber
zugleich aus der einstigen Freiwilligkeit eine definierte Pflicht macht, mit
der zweifachen Folge, daß einmal diese Pflicht zu einer Zwangsjacke wird, und
daß zum anderen die Definition als nun starrer Wert einer damit neu
gestalteten Wirklichkeit ein Stück menschlichen Verhaltens als berechenbaren
Automatismus begreift, der dann nicht mehr der Natur des Menschen entspricht,
und den Blick auf den wahren Menschen versperrt oder verfälscht und dann zu
weltfremden Schlußfolgerungen verführt. Dieses gilt ganz grundsätzlich
natürlich für die empirische Wahrnehmung überhaupt, mit der wir
Regelmäßigkeiten als Gesetze wahrnehmen und Farbe, Härte, Tempe-ratur u.s.w.
feststellen, aber ebenso für das Ordnen und Einordnen von Erfahrungen. So ist
die Tätigkeit eines Beamten im Sozialamt als Job mit Dienstvorschriften eben
etwas anderes als Näch-stenliebe.
Man kann sich theoretisch also eine soziale Gesellschaft mit besten
Fürsorgeinstitutionen denken, in der trotzdem alle Menschen ausgesprochen
lieblose und rücksichtslose Egoisten sind oder werden, weil in einem nächsten
Schritt Verantwortungsgefühl für andere Menschen dann entweder nur als
normaler Automatismus verstanden bzw. mißverstanden wird, oder sogar schlicht
nicht mehr notwendig ist und zu einem Automatismus führt, eben weil Hilfe zur
Pflicht würde. Dieses ist aber keineswegs nun ein Argument gegen die
Institutionalisierung von Sozialleistung, von Rechtsprechung, von Staat
überhaupt. Sondern soll deutlich machen, daß hier in der Tat neben der meist
typisch "linken" Soziologie, die ja nicht nur aus der Sicht des
Empfangenden berechtigt ist, ein wissenschaftlicher "rechter"
Ansatz im soziologischen Denken fehlt. Denn nur von einem solchen
ursprünglichen Menschenbild aus läßt sich das möglicher Weise Unnatürliche
des Zwangs solcher gesetzlichen Zwangsjacke erkennen und der jeweiligen Zeit
entsprechend normalisieren und vermenschlichen.
Hier liegt der ewige, tiefe reformerische, progressive Ansatz der
"Rechten", wobei die Befreiung von dem Gesetz, wie es die
urchristliche Botschaft beinhaltet, eben auch hier nicht die Beseitigung
sondern die wahre Erfüllung sein soll. Denn wie wir die Handlung von dem
Produkt der Handlung unterscheiden müssen, das eben auch in der sichtbaren
Gewohnheit von Handlungen liegt, die dann als mein normales Handeln gilt,
müssen wir sehen, daß wir hier als Eigenart menschlichen Erkennens von der
Regelmäßigkeit auf die Regel schließen und daraus ein Gesetz machten, wobei
dann ein Handeln aufgrund der Regel ganz anderen Ursprungs und auch eine ganz
andere Hand-lung ist, als die regelmäßige Handlung oder Gewohnheit, wie sie
einst von Mönchen der Klöster bekannt war, die ja Ursprung dieser Regel ist.
In unserem aktuellen Beispiel des sozialen Verhal-tens, wäre der Ursprung die
subjektive Nächstenliebe zum anderen Individuum, und das Einhalten von Normen
und Gesetzen ist dann eben nur Gehorsam gegenüber Gesetzen und Gesetzgebern.
So vernünftig und intelligent, ja unvermeidlich es ist, Normen in unserem
normalen Verhalten zu erkennen und bewußt einzuhalten und als Gesetze auch
festzuschreiben, selbst Nietzsche, der totale Individualist und Prediger des
spontanen Urteils, gesteht ein, daß er ohne bestimmte Gewohnheiten und
Normen, sowohl eigene, wie die seiner Mitmenschen, nicht leben könne, so klar
müssen wir auf der einen Seite die Versuchung sehen, wenn wir nun diese
Normen zum Maß-stab für den Menschen machen, das Natürliche und Ursprüngliche
ganz aus dem Auge zu verlie-ren, und auf der anderen Seite die Norm als
unnormalen Zwang und Fremdbestimmung und das Genormtwerden als unnormales und
in einem tiefsten Sinne ungerechtes, unpersönliches Urteil zu empfinden. Die
ganze Tragweite und Schwierigkeit des Konflikt liegt eben nicht darin, daß
solche Normen und Gesetze nun richtig oder falsch sind, oder daß hier eine
"rechte" Norm gegen eine "linke" stünde. Unseren
Gedankengang entsprechend verallgemeinert, scheint mich in solcher
Un-normalität ein Mediziner oder Psychologe nach solchen Normen ja selbst
dann besser zu kennen, als ich selbst, wenn er mich überhaupt nicht kennt,
wobei dieser offensichtliche Widerspruch zu-erst noch nicht bedeutet, daß
sein medizinisches oder psychologisches Wissen falsch sein muß, wobei ich als
Folge im nächsten Schritt meine persönliche Gültigkeit eben nicht der
Wissenschaft oder den Normen opfern darf, was dann zu einer gänzlichen
Fremdbestimmung und zwar gegen meine Natur würde und gerade dadurch zu einem
falschen Menschenbild führte, sondern im Gegenteil Norm und Wissenschaft eher
als Möglichkeit des Fremdurteils als Umwelt aber eben nicht als Feind mit mir
in Einklang bringen muß, was ja nicht ein Konkurrieren mit den
Wissen-schaften sein kann.
Und so unsinnig es wäre, nun, um solchen Normierungen zu entkommen, sein
eigentliches Ich durch Abnormitäten herausstellen und beweisen zu wollen oder
zu können, obwohl wir die Erzäh-lung über Abraham, wie er bereit war, seinen
einzigen Sohn zu opfern, genau in auch diesem Sinne verstehen müssen, so
zeigt doch der Unterschied zwischen dem fremdbestimmten und genormten
Verhalten und einem selbstbestimmten Verhalten gegenüber einem Gesetz oder
einer Norm einen elementaren Unterschied eben im Verhältnis zum Gesetz, zur
Norm und ganz generell zur menschlichen Erkenntnis überhaupt. So berechtigt
es als elementares Anliegen der "Linken" ist, Richtigkeit und
Gerechtigkeit solcher Normen und Gesetze in ihrer Praktikabilität zu fordern
und festzulegen, so elementar ist eben auch das Anliegen und die Anwaltschaft
der "Rechten", den Menschen in seiner Gültigkeit und
Selbstverantwortung als Maßstab der Normen und des Menschen zu vertreten, was
die Voraussetzung ist, damit die Menschheit nicht in Normen und letztlich
unnatürlicher Fremdbestimmung erstarrt, die dann letztlich auch nicht mehr
funktioniert.
Es wäre natürlich Illusion, apriorisch davon auszugehen, wie es bei Friedrich
Nietzsche und den Anarchisten verstanden werden kann, daß mit individueller
Gültigkeit und Verantwortung die Erkenntnis, das Urteil und die Handlung des
Individuums notwendig auch gut und richtig sein müsse, oder wie es viele
Nationalsozialisten dachten, damit auch schon berechtigt wäre. Richtig ist
nur, daß der Mensch damit auch Irrtum und Bosheit verantworten muß.
Denn es wäre ganz weltfremd anzunehmen, daß dieses freie, individuelle
Urteil, besonders, wenn man es sich ohne Gott und Religion vorstellt, das
sich nur auf das eigene Recht, die eigene Gültig-keit begründet, notwendig
oder in der normalen Mehrheit nicht auch unbewußt im Irrtum sein könne oder
auch ganz bewußt nicht Bosheit, Betrug, Lüge und Übervorteilung des anderen
betriebe, und daß es nicht körperliche, geistige oder materielle Überlegenheit
zum Schaden des anderen oder der Allgemeinheit anwenden würde, so daß unser
ausgewogenes Wirtschafts- und Sozialsystem zu einem Kampfplatz jeder gegen
jeden würde, daß ganz konkret z.B. in absehbarer Zukunft Arbeitgeber
angesichts der Geberpflicht über die Steuer an die Sozialempfänger nicht ihre
finanzielle Macht benutzen werden, sich solcher gesetzlich genormten
Gerechtigkeit als einem strangulierenden Zwang zu entziehen, indem sie z.B.
so weit wie möglich auf menschliche Arbeitskraft verzichten, wie es nicht
minder weltfremd wäre, anzunehmen, daß die Arbeitnehmer und selbst die
Nutznießer eines Sozialstaates bei Wahlen als Gegenreaktion gegen
"rechte" Willkür nun der linken Argumentation für eine planbare
Wohlfahrt auch ganz sicher ihre Stimme geben werden, sondern im Gegenteil als
Empfänger von Sozialleistungen die gesetzliche Geberpflicht des Staates
bewußt nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern gezielt auch zum Schaden des
Staates ausnutzen, weil sie ihn vielleicht gerade wegen dieser Gesetze ablehnen.
Der bisher entwickelte Gedanken umschreibt zwar eine bestehende Struktur in
den Nachkriegsde-mokratien, aber er ergibt noch keine zwingende
Notwendigkeit, daß eine Demokratie mit einer "rechten" oder
"linken" Mehrheit unter den obigen Gesichtspunkten auch in der
Zukunft und zwar ohne die Vernunftszwinge des Ost-Westkonflikts und ohne die
Vormundschaft der USA, ver-nünftig und erstrebenswert sein muß. Schließlich
gilt es ja als Dummheit und Unfähigkeit, persön-liche oder nationale Vorteile
nicht zu nutzen.
Es wäre in der Tat denn auch weltfremd, hinter den Egoismen der Arbeiter und
Unternehmer ein ethisches Ideal zu vermuten, wie es weltfremd wäre, von
beiden ein ethisches Verhalten nach einem bestimmten Ideal zugunsten einer
idealen Gesellschaft zu fordern. Der obige Grundge-danke, wie ja auch der
Optimismus der Idee einer freien, sozialen Marktwirtschaft, den Ludwig Erhard
nach dem Krieg vertrat, ist eben keine Sinnvorgabe, sondern verlangt von
beiden Seiten im Gegenteil nur eine realistische Vernunft und
Menschenkenntnis.
Der Lernprozeß.
Ein Unternehmer braucht für seine Firma neben seinem Entschluß, einen
bestimmten Artikel zu produzieren und zu verkaufen, eine richtige
Einschätzung des Marktes, das heißt, eine Einschät-zung der vorgegebenen jeweiligen
Marktmechanismen wie auch der Käufer, und daneben eine realistische
Einschätzung der Arbeiter, die für ihn arbeiten und dazu eine realistische
Einschätzung der Öffentlichkeit, das heißt, der Journalisten wie der Käufer
von Zeitungen, damit er durch sein Verhalten vermeiden kann, mit seinem
Produkt in übles Gerede zu kommen. Hierbei besteht als das regulierende
Korrektiv für den Unternehmer eben nicht eine ethische Instanz, sondern das
reale Risiko, für eine falsche Einschätzung eine schlechte Erfahrung machen
zu können mit der Möglichkeit, daraus lernen und dann solche Fehler
vorhersehen und vermeiden zu können.
Die notwendige Menschenkenntnis basiert also eben nicht auf einem Ideal oder
einer Lehre, wie sich Menschen verhalten sollten, sondern setzt einen
nüchternen, illusionslosen Realismus voraus. Und dieses gilt auch für den
Käufer, der für sein Geld einen lohnenden Gegenwert erwartet und für den
Arbeiter, der für seine Leistung einen entsprechenden Lohn erwartet, bzw. der
für einen attraktiven Lohn bereit ist, eine entsprechende Gegenleistung zu
erbringen. Für diesen ganz freien Markt wären unsere theoretischen,
weltanschaulichen und philosophischen Überlegungen schein-bar völlig
überflüssig, weil sie jeder für sich alleine in Form von Erfahrungen selbst
und nach eige-nem Gutdünken anstellt. Man könnte annehmen, daß in einem
solchen System mit der Zeit durch die gesammelten Erfahrungen die
realistische Menschenkenntnis allgemein zunehmen und Fehlein-schätzungen und
Fehlverhalten von selbst abnehmen müßten. Menschenkenntnis wäre hierbei
etwas, das der Einzelne für sich selbst hat zu seinem Vorteil oder nicht hat
zu seinem Nachteil. Das könnte in der Tat wie ein Weg zur Wahrheit über den
Menschen verstanden und interpretiert werden, bei dem dieser Lernprozeß
allein über den Handel im Sinne von Leistung und Gegenlei-stung stattfände,
in dem praktisch jeder ganz im Sinne der "Rechten" sein
individuelles Kriterium von Gerechtigkeit selbst festlegen könnte, indem er
jederzeit selbst bestimmt, ob und wann er mit der Gegenleistung für seine
Leistung zufrieden ist oder wann er sich der Konkurrenz zuwendet, d.h. einen
besseren Arbeiter anstellt, einen besser bezahlten Job annimmt oder für sein
Geld eine bessere Wahre kauft.
Hierbei sehen wir einen individuellen, subjektiven Lernprozeß, in dem das
jeweils individuelle Richtigkeits- oder Wahrheitskriterium als Gültigkeit für
eine plausible Definition der "Rechten" von entscheidender
Bedeutung ist, der ja in einer sozialistischen Wirtschaft nicht stattfinden
kann und in den Überlegungen der extremen "Linken", die eine
Staatswirtschaft anstreben, aus dem Grunde keine Bedeutung haben kann, weil
dort als Kriterium für die Richtigkeit objektiv-wissenschaftliche, logische
und berechenbare Wahrheits- oder Richtigkeitskriterien als Normen angewandt
werden sollen. Ein entsprechender Lernprozess in einer sozialistischen
Wirtschaft fände also nicht an der realen Wirklichkeit statt, sondern wäre
ein Sammeln von Erfahrung mit einem objektiven, starren Wissenschafts- oder Regierungsbetrieb,
der damit unvermeidlich zu einem totalitären Machtappa-rat tendiert.
Dieser Lernvorgang in der freien Marktwirtschaft setzt das Bestehen einer
lästigen Konkurrenz allerseits voraus, wobei ganz natürlich jeder von Natur
aus bestrebt ist, die lästige Konkurrenz auszuschalten und den Handelspartner
durch Monopolisierung zu zwingen, für eine möglichst geringe Leistung einen
möglichst hohen Gegenwert zu zahlen mit dem einzigen Limit, daß man nicht
mehr fordern kann, als der andere hat oder als Gegenleistung erbringen kann.
Unsere nahezu philosophischen Überlegungen nach dem Ende des kalten Krieges
bekommen hier nun eine weitere aktuelle Relevanz. Die Kräfte nämlich, die
unsere Wirtschaft und Politik zu einer vernünftigen Selbstbeschränkung zwangen,
müssen nun durch eine quasi künstliche und freiwillige Vernunft begriffen und
freiwillig im Sinne eines Ideals weitergeführt werden. Im Journalismus könnte
dieses z.B. bedeuten, daß man platte d.h. eher zänkische Einseitigkeit nicht
nur als dumm, peinlich und unschicklich empfindet und als eine ständige
Möglichkeit, ungerecht sein zu können, vermeidet, sondern solches eben auch
als unwahr, unglaubwürdig und minderwertige, dünne Information läßt. In der
realen Politik und Wirtschaft der Vergangenheit, also während der
Kon-frontation des kalten Krieges konnte sich der "Westen" eine
bestimmte Anzahl von Arbeitslosen nicht leisten, weil man fürchten mußte, daß
diese dann Kommunisten werden und eine Verstaatli-chung des Kapitals
verlangen würden und zwar durch die Monopolisierung der Arbeitsleistung. In
der Zukunft scheint dieses Hemmnis gegen Machtmißbrauch aber zu fehlen, und
wo es dabei um Geld und Vorteile geht, braucht der Appell an Anstand und
Vernunft realere Gründe.
Wie die Geschichte vor dem kalten Krieg und die vielen nationalen Reaktion
und Kriege nach ihm zeigen, ist freiwillige Selbstbeschränkung und politische
Vernunft nicht selbstverständlich.
Freiwillige Selbstbeschränkung, bekannt und genau in diesem Sinne gemeint
sind z.B. die Kartell-gesetze, das Verbot von Preisabsprachen und die
gesetzliche Regelung des Lohn- und Arbeits-kampfes, fände also normaler Weise
statt durch Gesetzgebung, im weitesten Sinne also durch die Parteien und der
von ihnen gestellten Regierungen, die mehr oder weniger nach Wunsch und
Vor-stellung der jeweiligen Wählermehrheit oder nach den Regeln und
Zielsetzungen ihrer Selbstdefi-nition handeln, wo eben neben den rein
ökonomischen Gesichtspunkten in ihrer jeweiligen unter-schiedlichen sozialen
Eigendynamik die reale Menschenkenntnis und der vollzogene Lernprozess auch
weltanschaulich in seiner ganzen Tiefe beinhaltet ist und deutlich erkennbar
sein sollte. Die UNO könnte in diesem Sinne rein informativ die verschiedenen
Parteien der verschiedenen Länder vielleicht durch eine spezielle Universität
für Parlamentarier beraten und damit diesen hoffentlich überwundenen
einseitigen und unwissenden Links- oder Rechtsprovinzialismus und den oben
beschriebenen Effekt des parteipolitischen Epiphänomens einschränken. Weniger
bekannt und öffentlich sind in diesem Sinne neben den öffentlichen
Unternehmer- und Gewerkschaftsverbänden, die nicht institutionalisierten eher
privaten Verbindungen zwischen Unternehmern, Großindustrien und Banken, die
untereinander mit mehr oder weniger großer Ver-nunft und entsprechend mehr
oder weniger richtiger Einschätzung auswägen, was für sie vorteil-haft oder
riskant ist, oder was man dem "armen" Volk zugestehen muß oder
zumuten kann, die mit ihrer rein finanziellen und kaum kontrollierbaren Macht,
die wohl privateste Weltmacht darstellen und damit ebenfalls nicht notwendig
vernünftig reagieren, die aber Möglichkeiten sehen und verwirklichen könnten,
die den kleinen parteiischen Parteien der Nationen zu großartig oder gar
nicht erkennbar sind, wie z.B. eine neue vernünftige Bildungs- oder
Arbeitszeitstruktur, die durchaus von Großbetrieben und Multis initiiert
werden kann. Ein treffendes Beispiel ist als das "modernste"
Phänomen auf dem europäischen Arbeitsmarkt "der Arbeitsplatz als Produkt
der In-dustrie". So wie auf Jahrmärkten die Tätigkeit/Arbeit in einer
Schaukel oder an einem Schießstand nur gegen Bezahlung ausgeübt werden darf,
so werden zunehmend in der Industrie Arbeitsplätze sowohl gefordert wie auch
geliefert, für die die Arbeiter - wenn auch in Form von Steuergeldern -
bezahlen müssen, weil sie eigentlich nicht erforderlich sind. Was hier in der
Vorstellung von Ge-werkschaft und "Linken" richtig und konsequent
und auch national vertretbar erscheint, führt einerseits im internationalen Handel
und andererseits im Selbstwertverständnis des Menschen zu Ungereimtheiten, so
daß man kaum noch von einer vernünftigen Situation und Entwicklung sprechen
kann, die man tolerieren oder mitmachen darf, sondern nach einem vernünftigen
Ausweg suchen muß, der eigentlich nur aus solcher übernationalen Distanz mit
der Möglichkeit einer genialen Idee und der Möglichkeit, selbst zu handeln,
gefunden werden kann.
Exemplarisch zeigt sich hier, daß auch Arbeitsplatz und insbesondere das Geld
nicht nur in der berechenbaren, quantifizierbaren Logik ein
gesellschaftlicher Wert ist, der sich gerecht und richtig einfach durch die
Mathematik erfassen läßt. In entsprechend unterschiedlicher Bedeutung sei
des-wegen noch dieses ebenfalls künstliche und fast außerstaatliche Instrument
der Markt- und Finanzpolitik und zwar unter unserem parteitypischen
Gesichtspunkt erwähnt. Dazu gehört die Geld- und Zinzpolitik der Bundesbank,
mit der die Geldmenge im Verhältnis zu Geldumlauf und Produktion zum Erhalt
des Geldwert gesteuert werden kann. Die Dif
(wird fortgesetzt!)
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